BAM! Mit einem riesigen Krach schrumpft mein Sportflitzer auf Kleinwagenformat. Als ich mit einem irrwitzigen Tempo bei Rot über die Kreuzung rase, kann ich den ersten Autos noch ausweichen. Doch dann stoppt ein Betonpfeiler meine wilde Fahrt. Totalschaden! Wenige Sekunden später geht’s schon weiter. Keine Verletzten, keine teuren Werkstattkosten. Willkommen in Burnout Paradise Remastered!

Von Stephan Petersen

Die offene Spielwelt von Paradise City ist für mich altbekanntes Terrain und Neuland zugleich. Als das Spiel seinerzeit für PS3 und Xbox 360 erschien, verbrachte ich etliche Stunden in der fiktiven Stadt. Allerdings nur in der Demo; für den Vollpreistitel reichte es schlichtweg nicht. Mein Sohn war gerade zwei Jahre alt und wir als junge Familie finanziell bisweilen am Limit. Kurzum: Die Kohle wurde woanders gebraucht. Später gab es das Spiel in der Ultimate Edition mit allen DLCs für einen relativ schmalen Preis. Ich habe mehrmals mit dem Gedanken gespielt, jedoch nie zugeschlagen. Der Grund: Es gab schon wieder Dutzende neue und interessante Games.

Als ich deshalb von der bevorstehenden Veröffentlichung der Remastered-Edition hörte, war ich sofort neugierig. Eine gute Möglichkeit, um nach Paradise City zurückzukehren und endlich die ganze Stadt zu erkunden – inklusive aller DLCs und der Insel Big Surf Island. Wie lange ist der Original-Release eigentlich her? Was? Zehn Jahre? Ich kann es kaum glauben. Mir kommt es wie „gestern“ vor. In diesem Moment erhält das Wort „Tempo“ in Bezug auf Burnout Paradise eine doppelte Bedeutung. Unglaublich, wie die Zeit vergeht, das Leben an einem vorbeizieht. Doch genug der sentimentalen Exkursionen, ab auf die Rennstrecke.

Es gibt viel zu tun

Den Einstieg und die Erklärungen von Radio-Moderatorin DJ Atomica kenne ich nahezu auswendig. Auch das Spielgefühl ist sofort vertraut. Was unmittelbar auffällt: Das Renn-Paradies glänzt mit 4K-Auflösung und 60 Bildern pro Sekunde. Die überarbeiteten hochaufgelösten Texturen können auch mit aktuellen Titeln mithalten.

Spielerisch richtet sich die Raserei in der offenen Spielwelt nach wie vor an Arcade-Piloten. Und zwar an solche mit viel Zeit, aber auch an Gelegenheitsraser. Es gibt jede Menge Rennen und Herausforderungen mit über 100 freischaltbaren Fahrzeugen. Fast 500 Werbetafeln und gelbe Markierungen (die Abkürzungen anzeigen) wollen gefunden und durchbrochen werden. Oder aber ich heize einfach durch die Stadt, lege mithilfe diverser Sprungschanzen wahnwitzige Sprünge hin und breche Geschwindigkeitsrekorde.

Altmetall

Tja, und ich fahre in schöner Regelmäßigkeit meinen Wagen zu Schrott. Die Unfälle sind cool in Szene gesetzt. Bei mir wecken sie eine seltsame Mischung aus voyeuristischer Faszination und schauderndem Gänsehaut-Gefühl, wenn das Glas splittert und mein Auto unter einem knackenden Geräusch zu Altmetall wird.

“Burnout Paradise Remastered”

Ich weiß nicht mehr, ob mein Sohn mir damals zugesehen hat, wenn ich in Paradise City unterwegs war. Vermutlich nicht. Jetzt zocken wir jedenfalls zusammen. Fünf Mal Totalschaden, dann wird gewechselt. Es gibt immer einen Freudenschrei, wenn nach einem ziemlich heftigen Unfall doch noch ein „Fahr weiter“ auf dem Bildschirm aufleuchtet. Glück gehabt! Allerdings verzählen wir uns bei der Anzahl der Crashs auch manchmal – meistens zugunsten meines Sohnes.

Motivierendes Paket

Der Fuhrpark ist klasse. Zwar muss er ohne offizielle Lizenzen auskommen, aber wer ein bisschen Ahnung von Autos hat, der erkennt die Vorbilder. Besonders toll: Sämtliche Fahrzeuge unterscheiden sich merklich auf dem Asphalt. Vor allem die Kultautos machen richtig Spaß. So ist der P12 88 Special dem DeLorean aus Zurück in die Zukunft nachempfunden und besticht mit viel Tempo inklusive brennenden Reifen bei aktiviertem Boost. Witzig: Es gibt sogar einen Schwebemodus.

Das Manhattan Spirit Car erinnert hingegen an Ecto 1 aus Ghostbusters, den umgebauten Krankenwagen der kultigen Geisterjäger, und steuert sich ziemlich schwerfällig. Dafür eignet er sich hervorragend für Rennen, in denen man andere Fahrzeuge rammen und fahrunfähig machen muss.

Im Gegensatz zum Fuhrpark kommt der Soundtrack lizenziert daher und ist nicht so ein nerviges Gedudel wie bei manchem aktuellen Rennspiel-Konkurrenten. Klar, Musik ist Geschmackssache. Mir macht es jedenfalls auch heute noch richtig viel Spaß, zu den Klängen von Guns n’ Roses (Paradise City), Faith No More (Epic) und Soundgarden (Rusty Cage) über den Asphalt zu brettern. Meinem Sohn übrigens auch.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmail