Freitag der 13.: Mommy is not proud of you, Jason!

In den 1980er Jahre feierten nicht nur schräge Aliens wie E.T. und ALF Erfolge. Auch fiktive Serienkiller waren auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Nachdem bei Halloween – Die Nacht des Grauens (1978) die Kinokassen kräftig klingelten, folgte eine Welle an Slasher-Filmen. Neben der Halloween-Reihe stach dabei insbesondere Freitag der 13. heraus. Mordete im ersten Teil noch seine geisteskranke Mutter, begab sich in den folgenden Filmen der Psychopath Jason Voorhees auf Teenager-Jagd. Jetzt hat Jason seinen großen Auftritt auf PS4, Xbox One und dem heimischen Rechenknecht. Wie er sich dort wohl schlägt?

Von Stephan Petersen

Das Spiel orientiert sich an den Filmen. Wie im Vorbild wütet Jason in einem Feriencamp – nicht nur im übertragenen Sinne – wie die Axt im Walde. Ein Spieler schlüpft dabei in die Haut von Jason, bis zu sieben weitere übernehmen die Rollen der Teenager. Hierbei habe ich die Wahl zwischen mehreren Charakteren mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. So hat etwa ein Teenager mehr Ausdauer, während ein anderer über einen höheren Reparatur-Skill verfügt. Schöne Idee, doch leider sind Mehrfachauswahlen zulässig. So können also durchaus drei bis vier Spieler mit demselben Charakter auf der Flucht sein. Zudem sind die Unterschiede dann doch zu gering. Für das Teamplay wäre ein größeres Spezialistentum spannender gewesen. Aber auch so ist Zusammenarbeit durchaus wichtig. Denn der Überlebenskampf ist hart.

„Freitag der 13.“: Ist da draußen jemand?

Kill! Hide!

Das liegt am weit überlegenen Jason. Der hat ein paar Spezialfähigkeiten wie etwa Schnellreise, siebter Sinn und Teleportation im Gepäck. Zudem kann er Messer werfen, um seine Opfer zu verlangsamen und ihnen mit der Axt einen neuen Scheitel ziehen. Für seine Fähigkeiten gibt es zwar eine Cooldown-Phase, doch die ist relativ kurz. Und: Die Jugendlichen können Jason nur kurzfristig ausknocken. Ihn zu töten, ist es eine der schwierigsten Aktionen im Spiel und allein nicht machbar. Vielversprechender ist es, mit dem Boot und dem Auto zu entkommen. Der Haken an der Sache: Die Teenager müssen die Vehikel erst einmal startklar machen und dafür die erforderlichen Teile besorgen. Das Ergebnis: Freitag der 13. spielt sich meist wie eine Mischung aus Suchen, Verstecken und Wegrennen mit einer gehörigen Portion Nervenkitzel. Kämpfen ist nur die allerletzte Lösung. Aber es ist in jedem Fall hilfreich, wenn ich die Autobatterie schleppe und ein anderer Spieler mit der Leuchtpistole oder der Machete Wache steht.

„Freitag der 13.“: Diese Tür ist gesichert.

Wo ist die Mute-Taste ?

Damit die Zusammenarbeit reibungslos knapp, nutzen die meisten Spieler die Push-to-Talk-Option. Das klappt nur, wenn ein Spieler in der Nähe ist. Für die Kommunikation mit Teenagern an weiter entfernten Orten im Camp sind Walkie-Talkies notwendig – die man natürlich erst einmal finden muss. Was in vielen anderen Multiplayer-Titeln gilt, das trifft auch auf Freitag der 13. zu. Angesichts des geistigen Dünnpfiffs, der auf die Ohrmuscheln trifft, möchte ich schnell zur Mute-Taste greifen. Bei einigen Spielern beschleicht mich das Gefühl, sie hätten ihre tägliche Medikation noch nicht erhalten. Insbesondere manche virtuelle Jasons gehen voll in ihrer Rolle auf.

Je suis Jason

Als Jason wiederum ist das Spielgefühl völlig anders. Da die Teenager ihm kaum etwas anhaben können, geht man mit ihm sehr offensiv vor. Hier kommt es vor allem darauf an, die Spezialfähigkeiten richtig einzusetzen. Nette Idee: Es gibt spielerisch unterschiedliche Jasons, die sich freispielen lassen. Ebenso neue Finishing-Kills, die das voyeuristische Gemüt virtueller Jasons befriedigen sollen. Auch auf Teenager-Seite warten so manchen Freischaltungen: Neue Charaktere, neue Kleidung und Perks. Klingt nach Abwechslung? Geht so. Die drei Karten kennt man recht schnell und die Perks bringen überwiegend marginale Änderungen. Der Spielablauf ist immer wieder sehr ähnlich. Sicher: es gibt durchaus spielerische Höhepunkte. Etwa wenn man als Jason aus dem See auftaucht und die beiden Bootsinsassen kurz vor der rettenden Flucht erledigt oder einem Teamkollegen das virtuelle Leben rettet und zusammen im Auto flüchtet.

„Freitag der 13.“: Jason auf der Jagd.

Dennoch: Ziemlich schnell hat man alles gesehen. Hinzu kommt eine ziemlich dürftige Technik, von fliegenden Teenagern über teils fragwürdige Kollisionsabfragen bis hin zum ungenauen Kampfsystem. Zwar ist noch eine Singleplayer-Kampagne in Arbeit, aktuell wirkt Freitag der 13. aber noch ziemlich unfertig. Für ein paar Stunden haben Horror-Fans ihren Spaß. Doch dafür ist der aktuell aufgerufene Preis von knapp 40 Euro einfach zu hoch.

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1 Kommentar

  1. Ein teleportierter Jason? Auweia. Eigentlich sollte man als Filmfan und Freitag-Kenner eine authentischere Umsetzung erwarten dürfen. Das Setting am Crystal Lake bietet sich eigentlich für ein spannendes Videospielerlebnis an. Teilweise scheint es ja auch so zu sein. Das Jason aber derart überlegen ist, würde mir den Spielspaß vermutlich ebenfalls verhageln. Was ist aus dem kleinen Jungen mit der bösen Mama nur geworden? Eine überlebensgroße Fiktion, die nicht von dieser Welt zu kommen scheint. Haben die Filme schon falsch gemacht, muss doch nicht die Gamesbranche auch noch einmal falsch machen.

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