Kann sich jemand noch erinnern, als damals die sagenumwobene PlayStation 4 erschienen ist, die bisher mit über 40 Millionen Einheiten in heimischen Wohnzimmern vertreten ist? Ja? Als wäre es gestern gewesen? Könnte daran liegen, dass es tatsächlich gestern war. Jedenfalls gibt es jetzt zwei Neue. Doppelter Fortschritt auf halber Kraft!

Von Herrmann Asien

Die eine Neuerung hört auf den Namen PlayStation 4 Pro und erscheint am 10. November. Und warum sie nicht PS4 Neo genannt wird, unter welchem Namen sie seit geraumer Zeit im Netz kursierte, wurde letzte Woche bei der lang erwarteten Sony-Pressekonferenz schnell deutlich: weil es nicht viel Neues an ihr zu entdecken gibt. Mit mehr als doppelt so vielen Tera-(Flip)flops wie die Standard-PS4 ausgestattet, verspricht sie eine höhere Pixelanzahl, eine höhere Auflösung und vielleicht (aber nicht garantiert) auch eine höhere Framerate. Den Großteil dieser „Vorteile“ kann allerdings nur genießen, wer bereit ist, auf einem 4K-Bildschirm zu zocken. Zwei bis sechstausend Euro kosten diese neuen Fernsehgeräte zurzeit. Nicht gerade eine niedrige Hürde. Und ob sich Ultra HD wirklich dauerhaft als Standard durchsetzen kann, ist auch noch offen. Warum also das komplette Business-Modell der Konsole auf 4K ausrichten? Die PS4 Pro bietet nicht mal 4K-Blu-ray-Support, lediglich im Stream sind Videos in höchster Qualität zu bestaunen. Warum sollte ich als Gamer vierstellige Summen aufbringen (Konsole plus neuer Bildschirm), nur um eine Mid-Generation-Konsole vollends auszukosten?

Um fair zu sein: Ja, es soll auch auf Standard-HD-Geräten eine leichte grafische Verbesserung zu sehen sein. Aber ist das ernsthaft 400 Euro wert? Die Anschaffung einer Pro scheint für mich als Besitzer eines Standard-HD-Monitors zu diesem Zeitpunkt schlichtweg unnötig. Die Zukunft des Heimkonsolen-Gamings: Pay more, more often, for less.

„Reden Sie sich einfach ein, Sie sähen eine Verbesserung: Das macht dann 400 Euro, bitte!“

Die andere „Neue“ von Sony gibt sich mit deutlich weniger zufrieden. Sie ist zwar kleiner und leiser, aber gar nicht so viel billiger. Ab dem 16. September für 299 Euro zu haben, ist die PS4 Slim immer noch 50 Euro teurer als eine Standard-PS4 (deren Preis im Zuge der Neuveröffentlichungen sicherlich weiter sinken wird) und lediglich 100 Euro günstiger als das neue Pro-Modell.

Zwar ist es seit frühester Heimkonsolenzeit gängige Praxis, generalüberholte, meist kleinere und platzsparendere Versionen der aktuellen Hardware zu veröffentlichen (Atari VCS 2600 Junior, Sega Master System II und IIII, Sega Mega Drive 2, PSone etc. pp.). Aber warum sich Neukunden für eine Slim entscheiden sollen, anstatt sich gleich die Pro zuzulegen oder eben auf demnächst sicherlich sehr preisgünstige Standard-PS4 zurückzugreifen, bleibt mir schleierhaft.

“Kleiner, aber ansonsten nix Neues.”

An alle bisher Unentschiedenen, die seit Längerem mit einer PS4 liebäugeln: Auf welches tote Pferd möchtet ihr setzen? Option „Bankkredit“ (Pro), Option „Alles beim Alten“ (PS4) oder Option „Kleiner und weniger von allem“ (Slim)? Und was ist mit PlayStation VR? Natürlich bietet die Pro auch bessere Grafik für diese Erweiterung. Doch für das eigentliche Virtual-Reality-Erlebnis reicht auch eine Standard-PS4 vollkommen aus.

Das größte Problem der grafischen Upgrades der Pro ist zudem, dass man sie nicht ohne weiteres wahrnehmen kann. Zur offiziellen Enthüllungs-Pressekonferenz gab es über den Twitch-Stream von Sony für mich nur Pixelbrei zu sehen. Auch die nachträglich veröffentlichten Gameplay-Videos kann nur wirklich wertschätzen, wer sie auf einem 4K-Display anschaut. Wie also dem potenziellen Konsumenten überzeugen, wenn er nicht mal vorab sehen kann, was ihn erwartet? Der Weg zum nächsten Elektronikmarkt ist in Zeiten des Internet-Shoppings aber so weit entfernt wie nie zuvor.

„Wie Sie sehen, sehen Sie nicht viel. 4K-Videostream – 4K-Bildschirm = vergeigtes Marketingkonzept.”

Sony verkauft für die Mehrheit  seiner Nutzerbasis unsichtbare Upgrades in neuem Geschenkpapier. Der Duktus der Enthüllung verkam zu einer verschämten Bittstellung: “Liebe Gamer, wählt doch zumindest eine von diesen beiden Optionen. Und wir versprechen euch: In drei Jahren kommt dann wirklich was Neues… Und wenn ihr jetzt sowieso nach der Brieftasche greift: Kauft doch bitte gleich einen Sony-4K Fernseher dazu!!!“

Weitaus sinnvoller erscheint es mir da, für die erste Konsolenversion von Virtual-Reality-Brillen zu sparen. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar ist, ob PS VR wirklich das hält, was es verspricht, so ist es doch im Vergleich zu Pro und Slim zumindest eines: neu.

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