Space: the final frontier. These are the voyages of the starship Enterprise. Its five-year mission: to explore strange new worlds, to seek out new life and new civilizations, to boldly go where no man has gone before. 1966 flimmerte Gene Roddenberrys humanistisch angehauchte Space-Western-Serie erstmals in US-Haushalten über die Fernsehgeräte, 1972 dann auch als Raumschiff Enterprise in Deutschland. 50 Jahre später sind die von William Shatner im Vorspann gesprochenen Sätze ein fester Bestandteil der Popkultur.

Von Stephan Petersen

Zu dieser gehört auch Star Trek: 25th Anniversary, das 1992 anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Star-Trek-Jubiläums erschien. Nicht nur Vulkanier werden umgehend einwenden, dass dies unlogisch ist. Richtig, für das Jubiläum war das Spiel ein Jahr zu spät dran. Entwickelt wurde Star Trek: 25th Anniversary von Interplay, die sich in den Jahren zuvor einen Ruf als Rollenspiel-Experten – unter anderem mit The Bard’s Tale und Wasteland – erworben hatten. In dem Spiel schlüpft man in die Rolle von Captain James T. Kirk und übernimmt das Kommando über die USS Enterprise. Der Arbeitstag eines Hobby-Captains umfasst sowohl das Kommando auf der Brücke als auch Außeneinsätze auf fremden Planeten.

Ich bin der Captain!

Auf der virtuellen Enterprise hat jedes Crewmitglied, wie in der Serie, seine individuelle Aufgabe. Per Maus und Point&Click (oder alternativ via Tastatur) gebe ich Befehle an die Crew. So kontaktiert etwa Uhura das fremde Schiff, Sulu aktiviert die Schilde, und Scotty flickt die Enterprise zusammen. Letzteres ist immer mal wieder notwendig, weil Kämpfe mit anderen Raumschiffen ebenfalls zum Job-Profil gehören. Dann nehme ich den Feind wie in Wing Commander ins Visier und feuere Laser- und Photonentorpedosalven auf ihn ab. Dazwischen frage ich Spock nach der aktuellen Lage, bekomme neue Befehle von der Sternenflotte und lasse die Enterprise per Auswahl auf einer Sternenkarte mit Warpgeschwindigkeit zu ihrem Zielort reisen.

Neue Befehle von der Sternenflotte.

“Star Trek: 25th Anniversary”: Neue Befehle von der Sternenflotte.

Nach der Ankunft beamt sich das Außenteam, bestehend aus Kirk, Spock und “Pille” (im Original “Bones”) McCoy und einem weiteren, wechselnden Crewmitglied (“Redshirt”), auf die Raumstation, den Planeten oder das Raumschiff. Dieses zweite Spielelement macht den größeren Teil von Star Trek: 25th Anniversary aus. Dort steuere ich Kirk per klassischem Point&Click durch die Schauplätze, nehme diese genauer unter die Lupe, interagiere mit NPCs – auch der eigenen Crew – und löse Objekträtsel.

Wie spielt es sich heute?

Die offenkundigste Stärke von Star Trek: 25th Anniversary ist die hervorragend eingefangene Atmosphäre der TV-Serie. Das beginnt schon bei der bunten Optik, die deutlich an die Vorlage erinnert. Ursprünglich erschien das Spiel auf Disketten. Später folgte jedoch eine CD-Version mit den Stimmen der Originaldarsteller sowie verbesserten Soundeffekten. Aber nicht nur Optik und Sound passen, die Dialoge versprühen ebenfalls reichlich Enterprise-Flair. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf die Serie sowie Auftritte von bekannten Nebencharakteren wie etwa Carol Marcus. Höhepunkte sind insbesondere die Streitgespräche zwischen Spock und McCoy oder die Ermahnungen des Doktors an Kirk (“Jim, it’s a phaser, not a flashlight!”). Auch Pilles berühmter Satz “He’s dead, Jim” darf natürlich nicht fehlen, wenn ein “Redshirt” das Zeitliche segnet.

Allerdings muss ein neuer Spielstand geladen werden, falls Kirk, Spock oder McCoy ins Gras beißen. Viele Spieler machten sich daher einen Spaß daraus, herauszufinden, wann und wie ein “Redshirt” sterben kann und sich die Mission dennoch erfolgreich abschließen lässt. Denn: Die Handlung ist in sieben Missionen – eine Anlehnung an den Episodencharakter der Serie – unterteilt. Diese lassen sich auf unterschiedliche Weise meistern. So kann ich etwa in der Mission “Hijacked” den Geiselnehmern ihre eigene Bombe auf die Brücke beamen, sie zur Aufgabe überreden oder mit den Phasern ausschalten. Am Schluss folgt dann eine Bewertung durch das Flottenhauptquartier. Für gewaltfreie Lösungen gibt es natürlich die höchste Punktzahl.

Scotty am Arbeitsgerät.

“Star Trek: 25th Anniversary”: Scotty am Arbeitsgerät.

Retro-Feeling

Star Trek: 25th Anniversary macht auch heute noch Spaß. Sowohl das Kommando auf der Enterprise als auch die rätsellastigen Außeneinsätze motivieren. Etwas umständlich ist jedoch die Steuerung, die für eine Aktion immer vier bis fünf Klicks benötigt. Richtiges Retro-Feeling kommt indes bei der Sternenkarten-Navigation auf. Dort sind zwar viele helle Punkte zu entdecken, aber keine Beschriftung. Fliege ich das falsche System an, sehe ich mich sofort in einem Kampf mit Klingonen, Romulanern oder ähnlich übel gelaunten Gesellen konfrontiert. Also druckt man sich wie in guten alten Zeiten einfach die beiliegende Karte samt Legende aus oder macht ein Foto mit seinem Smartphone (okay, das ist nicht wirklich Retro). Damals wie heute lässt sich zudem der Umfang kritisieren. Eine Mission dauert kaum so lange wie eine Fernsehepisode von Raumschiff Enterprise.

McCoy und Spock liefern sich die bekannten verbalen Scharmützel.

“Star Trek: 25th Anniversary”: McCoy und Spock liefern sich die bekannten verbalen Scharmützel.

1993 erschien mit Star Trek: Judgment Rites ein ähnlich gestrickter Nachfolger. Allerdings waren die Raumkämpfe nun optional und der Schwierigkeitsgrad frei wählbar. Zudem gab es jetzt eine Rahmenhandlung. Bei Spielern und Presse kam der Nachfolger noch besser an als Star Trek: 25th Anniversary.

Beide Spiele sind in einer für moderne Systeme optimierten Version für relativ kleines Geld – am besten auf Sales-Angebote achten! – bei GOG.com erhältlich.

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