Ja, das waren ganz schön hohe Erwartungen, die da an Microsoft, Phil Spencer und sein Team im Vorfeld gestellt wurden. Aber da haben sie sich nicht einschüchtern lassen. Weder von den dicken Eiern eines Reggie Fils-Aimé, der nur mit einem einzigen AAA-Konsolentitel angereist war, noch davon, dass Sony schon im Vorfeld bekannt gegeben hatte, unter keinen Umständen über die neue PS4 Neo sprechen zu wollen.

Von Herrmann Asien

Also wurde bei Microsoft auf der E3 2016 ordentlich die Sequelmaschine angeworfen: Forza Horizon 3 (kommt im September, neues Setting: Australien), Gears of War 4 (kommt im Oktober, neues Setting: bessere Licht und Partikeleffekte), Halo Wars 2 (kommt im September, ohne neues Setting). Aber nicht nur die großen Franchises erhalten Fortsetzungen, auch für Zombiefans ist gesorgt: State of Decay 2 erscheint noch dieses Jahr – und vor allem: Dead Rising 4 (erscheint im Dezember, neues Setting: Weihnachten!).

Die Fortsetzung des humoristischen Zombie-Slashers verspricht nicht nur die Rückkehr von Protagonist Frank West, sondern auch: Roboterkampfanzüge, Zombiekatapulte und die Möglichkeit, Selfies zu schießen und dabei Grimassen zu schneiden. Und hoffentlich wird es diesmal nicht indiziert – obwohl das die, die es spielen wollen, sicher nicht davon abhalten wird.

Aber es gab tatsächlich auch neue Ideen für Microsofts Flagschiff Xbox One: Rare’s Online-Piratenspiel Sea of Thieves sieht tatsächlich nach sehr viel Koop-Spaß aus, und wenn der 00er-Jahre-Emo-Protagonist im Drachen-Actionrollenspiel Scalebound (Platinum Games, 2017) zwischendurch mal die Klappe halten würde, wäre es auf jeden Fall ein Titel, den man sich für nächstes Jahr vormerken könnte.

Den Stanley-Kubrick-Gedächtnis-Award räumt aber in jedem Fall We happy Few ab. Wer wissen möchten, wie die Realität wirklich ist, der kann entweder seine Medikation absetzen und sich mal ernsthaft mit den Menschen auf seiner Straße, vor seinem Fenster und hinter der eigenen Eingangstür unterhalten. Oder eben zu diesem noch im Spätsommer erscheinende Spiel von Entwickler Compulsion Games greifen. Achso: Crackdown 3 ist übrigens verschoben worden, auf irgendwann nächstes Jahr.

Aber jetzt mal zu den wirklich großen, zu den Riesenmonsterneuigkeiten: Microsoft stellte im absurden Gegensatz zu Sony und Nintendo überraschenderweise gleich zwei neue Konsolen vor. Beginnen wir mit dem kleineren Übel: der Xbox One S. Eine kleinere Xbox One mit Support für 4K-Streaming, integriertem 4K-Blu-ray-Laufwerk und HDR-Kompatibilität. Was HDR ist? Eine realistischere, dynamischere Farbwiedergabe. Also wie, wenn man aus dem Fenster schaut. Muss man aber jetzt nicht mehr. Kauft man sich eine Xbox One S und einen Fernseher, der HDR unterstützt.

Optisch zumindest ist sie im schlichten weiß eine echte Alternative zum schwarzen Videorekorderklotz-Vorgängermodell. Bietet sie jedoch einen Performance-Boost abseits der Farbwiedergabe? Microsoft-Boss Phil Spencer sagt: Nein, bietet sie nicht. Gears-of-War-4-Entwickler The Coalition lässt allerdings anderes verkünden: Ja, bietet sie. Allerdings weder für Auflösung und Framerate, sondern ledglich für schärfere Texturen. Gute Nachricht für PC-Gamer, die keine Xbox One besitzen: alle bisher angekündigten Xbox-Titel erscheinen ebenso für Windows 10 und können (wenn sie digital erworben wurden) auf beiden Systemen gespielt werden.

Aber Schluss mit dieser Erbsenzählerei: Zeit für die neue Monsterkonsole! Die große Katze aus dem Sack! Mit 4K-Gaming-Unterstützung, High-Fidelity VR-Support, locked 60-FPS-Bildrate, solider 1080p-Auflösung, ganzen acht CPUs und sage und schreibe sechs Teraflops!

Was zur Hölle ist ein Teraflop? Anscheindend der Stoff, aus dem die neue Superkonsole Project Scorpio gemacht ist. Sie basiert ebenfalls auf der One und soll schon Weihnachten 2017 in den Läden stehen. Laut Phil Spencer muss sich aber kein Xbox-One-Besitzer Sorgen machen, dass er hintenüberfällt oder etwas verpasst, wenn er Ende 2017 nicht schon wieder für eine Microsoft-Konsole tief in die Tasche greifen will. “No one gets left behind”, sagte der Xbox-Boss am vergangenen Montag in L.A. – und widersprach sich wenige Tage später in einem Interview mit Giant Bomb: “Scorpio will be 4,5 times more powerful than Xbox One.”

Also darf der geneigte Microsoft-Jünger schonmal ein neues Sparkonto anlegen, denn die Technik, die laut Berichten sogar die PS4 Neo in den Schatten stellen soll, wird sicherlich nicht günstig sein. Alle alten und neuen Xbox-One-Spiele sollen aber auf allen drei Microsoft-Konsolen laufen, und offiziell soll es keine Exklusivtitel für Project Scorpio geben (warten wir es ab..).  Xbox-One-S-Besitzer profitieren demnach von HDR, Xbox-Scorpio-Besitzer von 4K und allen Versprechen, die die One nie einlösen konnte. Und Oldschool-Xbox-One-Besitzer profitieren dann wohl weiterhin von einer sub-par 720-900p-Auflösung, einer unzuverlässigen Framerate und dem Gefühl, irgendwie viel zu früh links liegen gelassen worden zu sein.

Ich glaube, ich weiß jetzt, was ein Teraflop ist…

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