Mit dem Plattformer Another World feierte der Pariser Entwickler Delphine Software einen großen Erfolg – sowohl bei den Kritiken als auch im Portemonnaie. Dementsprechend lag die Idee nahe, mit einem ähnlich gestrickten Spiel an den Hit anzuknüpfen. Das gelang 1992 durch Flashback mehr als beeindruckend. Das Spiel des Designers Paul Cuisset schaffte es gar als das am meisten verkaufte französische Spiel aller Zeiten ins Guiness-Buch der Rekorde.

Von Stephan Petersen

Anfang der 90er Jahre gehörte Paul Cuisset zu den führenden Köpfen bei Delphine Software. Zusammen mit Éric Chahi, dem Schöpfer von Another World, hatte er 1989 das Adventure Future Wars erschaffen. Zwei weitere Adventures, Operation Stealth und Cruise for a Corpse, folgten. Dann widmete sich Cuisset erstmals dem Jump’n’Run-Genre. Aber natürlich durften auch hier Adventure-Elemente nicht fehlen.

Los geht's!

Los geht’s!

Im Kampf gegen die Morphs

Die Handlung von Flashback versetzt den Spieler im Jahr 2142 in die Rolle von Conrad B. Hart, einem Agenten des Galactic Bureau of Investigation, der zusammen mit einem Professor eine ganz besondere Brille erfunden hat. Mit dieser ist es möglich, die molekulare Dichte von Lebewesen zu messen. Als Conrad seine Erfindung testet, erwartet ihn eine faustdicke Überraschung: Aliens – sogenannte Morphs – haben sich unter die Bevölkerung gemischt. Als seine Freundin Sonya spurlos verschwindet, speichert Conrad sein Wissen auf einem Holowürfel. Kurze Zeit später wird er von den Morphs entführt und sein Gedächtnis gelöscht. Agent Hart gelingt die Flucht, doch seine Erinnerungen sind verloren. Fortan muss der Spieler ihm dabei helfen, sein Gedächtnis zurückzuerlangen und die Morphs zu besiegen.

Cineastischer Plattformer

Dazu springt man als Conrad in der 2D-Spielwelt über Fallen und Abgründe, zieht sich an Kanten hoch, weicht per Hechtrolle Gefahren aus und zieht mit Knarre und Schutzschild in den Kampf gegen die Aliens. Neben guten Reaktionen ist immer wieder Gehirnschmalz gefragt. Während seines Abenteuers findet Conrad zahlreiche Gegenstände, die an anderer Stelle eingesetzt werden wollen. So benötigt beispielsweise eine Brücke zunächst Energie, um ausgefahren werden zu können.

Seinerzeit erhielt Flashback sehr viel Lob für seine cineastisch präsentierte Story, seine für damalige Verhältnisse tolle Grafik und seine Animationen. Für Letztere nutzte Paul Cuisset wie schon Éric Chahi für Another World das Rotoskopie-Verfahren. Die Animationen wirkten dadurch sehr authentisch und menschlich.

"Flashback" erhielt anno 1992 viel Lob für seine realistischen Animationen.

“Flashback” erhielt anno 1992 viel Lob für seine realistischen Animationen.

Wie spielt es sich heute?

Modul rein, Super Nintendo anwerfen, und los geht’s! Das Spielgefühl erinnert mich sofort an Another World – vor allem wegen der Steuerung. Jeder Sprung will ganz genau getimt sein. Zudem muss ich Conrads realistische Bewegungen miteinplanen. Etwas ungewohnt wirkt auf mich nach all den Jahren der Umstand, dass das Geschehen nicht gescrollt, sondern zum nächsten Bildschirm umgeschaltet wird. Auf diese Weise wartet so manche Überraschung in Form von Gegnern, die dem guten Agent Hart das Lebenslicht ausblasen. Spätestens hier merke ich, dass ich in letzter Zeit zu viele kuschelige AAA-Titel gezockt habe. Nach dem Ableben beginne ich das Level von vorne. Stimmt, da gab es doch Passwörter für jedes Level statt gefühlt alle drei Sekunden einen Checkpoint.

Nach der anfänglichen Überraschung beiße ich mich in das Spiel rein. Conrad wird von Mutanten und Robotern gekillt, rennt in Fallen, stürzt zu Tode, und ich beginne das Level von neuem. Dem anfänglichen Frust weicht der Ehrgeiz. Am Ende steht schließlich das befriedigende Gefühl, es geschafft zu haben. Das ist erfrischend anders. Alt, klar. Aber dennoch ganz anders als moderne AAA-Titel, in denen es zwar viel Action, Rumms und Unterhaltung, aber relativ wenig Herausforderung gibt.

Springen, Klettern, Knobeln und Kämpfen: Protagonist Conrad gibt alles im Kampf gegen die Morphs.

Springen, Klettern, Knobeln und Kämpfen: Protagonist Conrad gibt alles im Kampf gegen die Morphs.

Der Nachfolger: Fade to Black

1995 erschien ein Nachfolger mit dem Titel Fade to Black. Wieder schlüpfte der Spieler in die Rolle von Conrad B.Hart. Wieder ging es gegen die Morphs. Nur dieses Mal in einer Polygon-Spielwelt und in 3D. Für 2003 war ein weiterer Nachfolger geplant. Flashback Legends sollte 2003 für den Game Boy Advance erscheinen. Die Insolvenz von Delphine Software Ende 2002 bedeutete jedoch zugleich das Aus für die Entwicklung des Games.

Viele Jahre später durften Spieler dennoch wieder in die Rolle von Agent Hart schlüpfen – dank Paul Cuisset und einiger Ex-Delphine-Entwickler. 2013 erschien ein – allerdings leicht enttäuschendes und kommerziell nur mäßig erfolgreiches und – Remake des Klassikers.

2013 erschien ein eher liebloses Remake des Klassikers.

2013 erschien ein eher liebloses Remake des Klassikers.

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