Nintendos Pressekonferenz auf der E3 2004 plätscherte ziemlich ereignislos vor sich hin – bis dort in den letzten Minuten urplötzlich eine wohlbekannte Melodie erklang und anschließend ein Trailer gezeigt wurde, der viele der anwesenden Journalisten ungläubig zurückließ.

Von Sebastian Essner

Zu sehen war ein erwachsener Link, der sich durch eine für damalige Verhältnisse beeindruckende Grafikwelt kämpfte. Ein Spiel, das sich viele schon zu Beginn des Gamecube-Zeitalters gewünscht hatten, wurde endlich Wirklichkeit. Anfangs lapidar als The Legend of Zelda betitelt, bekam das Projekt irgendwann den Untertitel Twilight Princess verpasst.

Und dann begann das große Warten; erst Ende 2006 sollte das Action-Adventure tatsächlich das Licht der Videospielwelt erblicken. Dafür war es dann auch gleichzeitig das erste Zelda-Spiel, das zum Launch einer Konsole erschien – nämlich der Wii –  dem unterm Strich leider etwas glücklosen Gamecube ein würdiges Abschiedsgeschenk bescherte. Am 4. März ist nun die HD-Neuauflage für Wii U erschienen, die ich mir vorgeknöpft habe.

Zunächst fällt auf, dass Nintendo bei der generellen Struktur des Spiels keine Kompromisse eingegangen ist und im Prinzip ein altbewährtes Konzept in einer neuen Verpackung abliefert. Wieder geht es um den Kampf gegen einen Fiesling (Link gegen Schattenkönig Zanto; Ganon legt eine Pause ein), und der bekannte Wechsel der Dimensionen findet hier eben zwischen Licht und Schatten statt (in Letzterer verwandelt Link sich erstmals in einen Wolf). Außerdem gilt es, serientypisch neun Tempel zu meistern, die mit allerhand Rätseln und Fallen gespickt sind. Dabei fühlt man sich als Spieler jedoch niemals überfordert oder unfair behandelt, da die Lösung stets zum Greifen nah ist und häufig nur das richtige Item oder der korrekte Logikansatz benötigt wird.

Von Beginn an könnt ihr auch auf Eponas Rücken die Welt erkunden.

Von Beginn an könnt ihr auch auf Eponas Rücken die Welt erkunden.

Schön, dass Nintendo insgesamt aber nicht nur eine schnöde 1:1-Portierung des Originals abliefert, sondern überall nachgebessert und optimiert hat. Ein simples Beispiel: In Ordon Village gleich zu Beginn bekommt ihr den Auftrag, für eine Frau einen Korb zu suchen, der flußabwärts getrieben ist. Dieser wurde von einem Affen stibitzt, der am Flußende auf einem Felsen damit herumhüpft. In der Originalversion war besagter Bereich frei zugänglich, der Affe aber partout nicht erreichbar, was schnell für Frust sorgen konnte. In der Wii-U-Version ist jetzt kurz vor besagter Stelle ein Staudamm, sodass mir sofort signalisiert wird, dass der direkte Weg der falsche ist. Des Rätsels Lösung: Ein Greifvogel muss herbeigerufen und in Richtung des Affen dirigiert werden. Solche kleine Änderugen und Optimierungen werden dem Kenner der Vorlage an allen Ecken und Enden auffallen.

Ohne Fernbedienungs-Fuchtelei

Aber auch die neue Hardware wurde sinnvoll eingebunden. So hat man zu Anfang die Wahl, ob man sich per GamePad oder Pro Controller in die Schlacht stürzt – die Gestensteuerung der Wii-Version von The Legend of Zelda: Twilight Princess ist erst gar nicht mit an Bord. Ersteres hat etwa den Vorteil einer permanenten Karte beziehungsweise eines dauerhaften Item-Bildschirms und gyroskopischer Kontrollmöglichkeiten, die Conroller-Bedienung erlaubt hingegen das klassische Pad-Feeling.

In der Schattenwelt wird Link zum Wolf.

In der Schattenwelt wird Protagonist Link zum Wolf.

Wer trotzdem Sehnsucht nach der Wii-Fassung verspüren sollte, knüpft sich einfach den neuen “Hero Mode” vor und bekommt die gespiegelte Fassung der Spielwelt und Link als Rechtshänder, aber keine Herzcontainer. Folglich ist die “normale” Version von Twilight Princess HD in Bezug auf seine Oberweltstruktur ein Nachbau der Gamecube-Fassung und Link wie gewohnt Linkshänder. Ach ja, an Unterstützung von amiibos wurde selbstverständlich auch gedacht: Wolf-Link etwa schaltet den neuen Dungeon “Schattenhöhle” frei.

Viel zu meckern habe ich  eigentlich nicht. Ich finde nur, dass die hochpolierten Rasenflächen mit einzelnen herausragenden Grasbücheln etwas albern aussehen und sich Stute Epona stellenweise recht bockig steuert. Das ist in Zeiten eines The Witcher III: Wild Hunt in dieser Form einfach nicht mehr zeitgemäß. Aber daran merkt man halt, dass The Legend of Zelda: Twilight Princess eben schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Für Kenner des Originals wird bis auf einen neuen Dungeon außerdem eigentlich nichts geboten, was einen Zweitkauf rechtfertigen würde. Habt ihr diese Zelda-Episode hingegen verpasst, dann ist die HD-Neuauflage ein famoser Grund, Versäumtes nachzuholen.

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