Obwohl sich das Horrorspiel Silent Hill nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1999 schnell als Alternative zu Genreprimus Resident Evil etabliert, dauert es doch fast sieben Jahre, bis die erste Verfilmung zum Konami-Schocker über die Kinoleinwand flimmert. Und siehe da: Silent Hill: Willkommen in der Hölle entpuppt sich entgegen vieler Befürchtungen als durchaus gelungene Videospiel-Verfilmung. Warum das so ist, erkläre ich euch im Folgenden.

Von Sebastian Essner

Die Story des Films ist zwar schnell erzählt, aber trotzdem überraschend komplex. Drehbuchautor Roger Avary orientiert sich ziemlich deutlich am ersten Serienteil – auch wenn man im Spiel mit Harry Mason einen männlichen Protagonisten steuert. Sharon, die Adoptivtochter von Rose (Radha Mitchell) und Christopher (Sean Bean) DaSilva leidet unter Alpträumen, schlafwandelt und spricht in diesem Zusammenhang immer wieder von einem Ort namens Silent Hill. Als Rose herausfindet, dass diese Stadt tatsächlich existiert, unternimmt sie gegen den Willen ihres Mannes mit Sharon einen Trip in das stille Örtchen. Dummerweise baut sie kurz vor Silent Hill einen Unfall, und als sie aufwacht, ist ihre Tochter verschwunden.

Nah dran an der Vorlage

In den anschließenden 121 Minuten werden Kenner der Silent-Hill-Serie mehr als einmal mit der Zunge schnalzen. So wurden einige Kameraeinstellungen quasi direkt aus dem ersten Silent Hill für die erste PlayStation entnommen. Beispielsweise die Frontalansicht, die Mutter und Tochter im Auto auf dem Weg nach Silent Hill zeigt und in der Sharon ihr Malbuch auf dem Schoß liegen hat. Diese könnte direkt aus dem Intro des PlayStation-Originals stammen. Das gilt auch für die teils wilden Kamerafahrten im späteren Verlauf des Films.

Die serientypischen Zombie-Krankenschwestern sind natürlich mit dabei.

Die serientypischen Zombie-Krankenschwestern sind natürlich mit dabei. (Quelle: Davis Films / TriStar Pictures / Konami)

Dadurch gelingt dem französischen Regisseur Christophe Gans (Pakt der Wölfe) das Kunststück, das Flair der Videospielvorlage wunderbar einzufangen, ohne den Zuschauer mit den langen Gewaltmärschen der ersten Silent-Hill-Spiele zu langweilen. Trotzdem nimmt der Film sich – ähnlich wie Robert Zemeckis Schatten der Wahrheit aus dem Jahr 2000 – die Zeit, eine schaurige Atmosphäre aufzubauen, statt auf massig viele Dialoge oder ausufernde Actionszenen zu setzen.

Aufmerksame Fans freuen sich zudem über so manch kleines Detail : In der Tankstelle zu Beginn des Films läuft etwa das Stück Waiting for you aus dem Soundtrack zu Silent Hill 4. Generell könnte man die musikalische Untermalung des Films als eine Art “Best of” aus den ersten vier Serienteilen bezeichnen.

Außergewöhnliche Kameraperspektiven vermitteln das Flair der Videospielvorlage.

Außergewöhnliche Kameraperspektiven vermitteln das Flair der Videospielvorlage. (Quelle: Davis Films / TriStar Pictures / Konami)

Für Kenner toll, für alle anderen okay

Liebhaber der Konami-Games kommen bei Silent Hill  in jedem Fall auf ihre Kosten. Für alle anderen ist’s ein ordentlicher, aber sicherlich kein meisterhafter Horrorfilm. Gerade bei der Auflösung des Plots könnten diejenigen dezent überfordert sein, die noch nie eines der Videospiele konsumiert haben. Aber bei einer komplexen Story, die auf einem Spiel beruht, ist es eben nicht ganz einfach, das perfekte Mittelmaß zu finden – vor allem, wenn man der Vorlage so treu bleibt wie Silent Hill es tut.

Trotzdem: Der Silent-Hill-Film hat bewiesen, dass Videospiel-Verfilmungen nicht immer in einer Katastrophe à la Far Cry oder anderen Uwe-Boll-Machwerken enden müssen. Da stimmt es mich umso trauriger, dass der Nachfolgefilm Silent Hill: Revelation 3D von 2012 weitaus wenig prickelnd war und es mit neuen Spielen nach der Einstellung von Silent Hills vorerst ziemlich düster aussieht.

Interessante Trivia zum Abschluss: Die Netflix-Fassung von Silent Hill ist kurioserweise knapp fünf Minuten länger als die in Deutschland vertriebene, angeblich ungeschnittene Fassung des Films.

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