Layers of Fear mischt Kunst und Horror – und ist gruselig. Verdammt gruselig. Sebastian Essner hat sich in das Haus des Schreckens gewagt. Ein Erlebnisbericht.

Von Sebastian Essner 

Die gamescom 2014 ist mir nicht nur deshalb in positiver Erinnerung, weil ich dort zum ersten Mal meine Kollegen von der M!Games traf oder mein “Lieblingswrestler” John Cena wenige Tage später im Hauptkampf des “Summerslam 2014” endlich seine seit Jahren fällige Abreibung bekam.

Vielmehr wurde kurz vor der Messe P.T. für die PS4 veröffentlicht, das mich die folgenden drei Monate nicht mehr loslassen sollte. Die häufigsten Sätze, die meine Frau im Herbst 2014 nach einer Spielesession damit von mir hörte, waren: “Die Alte hat mich schon wieder umgebracht!”, “Sowas Gruseliges habe ich noch nie gespielt!” und “Mist, ich komme nicht weiter!”.

Die Geschichte von P.T., der spielbaren Teaser des im April 2015 leider gecancelten Silent Hills, nahm bekanntlich kein gutes Ende, aber der Ansatz des Horrorspiels hatte mich überzeugt. So war es dann auch keine Überraschung, dass ich im vergangenen Dezember bei der Game Preview von Layers of Fear auf der Xbox One nicht widerstehen konnte und mich nach dem Durchspielen auf die Vollversion, die jetzt für PC, PS4 und eben Xbox One erschienen ist, freute.

Schizophren schön

Das Spielprinzip von Layers of Fear ist schnell erzählt. Man wandert, ganz im Stil von P.T., aus der Ego-Perspektive durch ein Herrenhaus, genießt die liebevolle Grafik mit ihren unzähligen Details und lauscht dem mal harmonischen oder mal furchteinflößenden Soundtrack. In ruhigeren Passagen wird dabei häufig auf melancholische Klaviermelodien gesetzt, während es in spannenderen Passagen auch dissonater werden kann. Absolut hörenswert! Gegner werdet ihr im Laufe der etwa sechs Spielstunden allerdings keinen einzigen (!) zu Gesicht bekommen, und abseits von einigen Rätseln bewegt ihr euch stets ziemlich schlauchförmig durch das Gemäuer.

Der Detailgrad der einzelnen Räume kann sich wirklich sehen lassen. Achtet vor allem mal auf das Zusammenspiel von Licht und Schatten.

Der Detailgrad der einzelnen Räume kann sich wirklich sehen lassen. Achtet vor allem mal auf das Zusammenspiel von Licht und Schatten.

Ein entspannter Spaziergang sieht trotzdem anders aus, denn häufig ist es in der Villa sehr dunkel und ungemütlich, was von den Entwicklern gerne und gegen Ende vielleicht etwas zu häufig für Schockeffekte genutzt wird. Diese sorgen besonders mit Kopfhörern und bei abgedunkeltem Zimmer für wohlige Gänsehaut und konsequente Anspannung beim Spieler. Auch die Geschichte rund um einen schizophrenen, alkoholkranken Maler, der vielleicht sogar seine eigene Familie getötet hat, fesselt und erinnert an Oscar Wildes Das Bildnis des Dorian Gray – ein Eindruck, der durch die überall hängenden Gemälde aus der viktorianischen Epoche verstärkt wird. Es handelt sich dabei durchweg um real existierende Werke,  beispielsweise von Künstlern wie Rembrandt (Der Raub des Ganymedes) oder Francisco Goya (Saturn verschlingt seinen Sohn). Manche der Bilder sind auch nur Ausschnitte größerer Gemälde.

Wo wir gerade bei der Atmosphäre sind: Diese macht Romanen von Genregrößen wie Stephen King alle Ehre. An mehreren Stellen stehen etwa Botschaften an der Wand – “Redrum” aus Shining lässt grüßen – oder in einem Raum muss eine Schallplatte abgespielt werden. Das visuelle Ergebnis, in Kombination mit der Gestaltung des Raumes (ein oldschooliges Schlafzimmer), könnte direkt aus der Kubrick-Verfilmung von Shining stammen. All diese Elemente erzeugen in Kombination ein Gefühl konstanter Bedrohung und Unbehagen. Dabei steht stets die Frage im Raum, ob sich der Protagonist alles doch nur einbildet oder das, was vor seinen Augen abläuft, wirklich geschieht.

Was die Gestalt am Ende des Ganges wohl von uns will?

Was die Gestalt am Ende des Ganges wohl von mir will?

Hier werde ich gerne wahnsinnig

Was ich an Layers of Fear zum einen kritisieren muss, ist sein quasi nicht vorhandenen Wiederspielwert, da es nichts zum Aufspüren gibt und der Ablauf eben immer derselbe ist. Zwar ist dies ein grundsätzliches Problem des Horrorgenres, aber vielleicht wäre hier ein integrierter Zufallsgenerator im Stil von Daylight besser gewesen. Zum anderen überzeugt die technische Seite des Spiels an und für sich, aber manche Schockeffekte wirken, vor allem gegen Ende, dezent deplatziert und zünden deshalb nicht richtig. Zuweilen ruckelt die ganze Szenerie für meinen Geschmack auch etwas zu stark.

Trotzdem sollte jeder, der atmosphärischen Grusel liebt, einen Abstecher in das viktorianische Horror-Haus wagen. Das Spielerlebnis ist auch ohne Monster-Gemetzel äußerst packend und intensiv, und auch der Plot rund um Schizophrenie und Wahnsinn entpuppt sich als überraschend tiefgründig.

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