R.I.P. Video Games: spielejournalist.de gedenkt dem 15. „Todestag“ des Spielemagazins

Am 7. Februar 2001 wurde mit der Video Games die damals dienstälteste deutsche Videospielzeitschrift eingestellt. spielejournalist.de-Autor Sebastian Essner wirft einen persönlichen Blick auf sein damaliges Lieblingsmagazin zurück und lässt Mitglieder der finalen Redaktionstruppe zu Wort kommen.

Von Sebastian Essner

Eigentlich war der 7. Februar 2001 ein ganz normaler Tag in meinem Leben, über den man heute genauso wenig reden würde wie über den 6. oder den 8. Februar 2001. Hätte es da nicht diesen Moment gegeben, als ich um etwa 22:30 Uhr Giga Games auf NBC ansah und es im dortigen Gamesflash hieß: „Die Video Games ist nicht mehr.“

Ich, eigentlich fast schon schlafend, war plötzlich wieder hellwach. Das konnte doch nicht sein… Mein Lieblings-Videospielmagazin, das mich seit Mai 1998 durch dick und dünn begleitet hatte, war gerade eingestellt worden? Ich ging ins Netz – und bekam die Bestätigung: Ausgabe 2/2001 war die letzte Ausgabe der altehrwürdigen Video Games gewesen. Ich legte anschließend erstmal Herzlichen Glückwunsch von den Toten Hosen auf und dachte mir mit leicht sarkastischem Unterton: „Danke, dass ihr mir das jetzt auch noch genommen habt!“.

"Wow, 15 Jahre? Das kommt mir in mancherlei Hinsicht noch gar nicht so lange vor. Mit vielen Kollegen und Freunden von damals maile und skype ich heute noch regelmäßig. Verglichen mit meiner heutigen Arbeit war die Video Games etwas, das man in den USA "a wild ride" nennt – und worauf wohl keiner von uns verzichten möchte, trotz der langen Tage und Nächte im Verlag. Dass wir nach dem Ende des Hefts noch eine Special Edition fertiggestellt, fotokopiert und an treue Leser verschickt haben, die uns dafür im Vertrauen einen Vorschuss gezahlt hatten, zeigt, wie besonders diese Zeitschrift war. Die Arbeit bei der Video Games war mein Traumjob – und daran ist bis heute nichts herangekommen." (Roland Austinat, letzter Chefredakteur Video Games)

„Wow, 15 Jahre? Das kommt mir in mancherlei Hinsicht noch gar nicht so lange vor. Mit vielen Kollegen und Freunden von damals maile und skype ich heute noch regelmäßig. Verglichen mit meiner heutigen Arbeit war die Video Games etwas, das man in den USA „a wild ride“ nennt – und worauf wohl keiner von uns verzichten möchte, trotz der langen Tage und Nächte im Verlag. Dass wir nach dem Ende des Hefts noch eine Special Edition fertiggestellt, fotokopiert und an treue Leser verschickt haben, die uns dafür im Vertrauen einen Vorschuss gezahlt hatten, zeigt, wie besonders diese Zeitschrift war. Die Arbeit bei der Video Games war mein Traumjob – und daran ist bis heute nichts herangekommen.“
(Roland Austinat, letzter Chefredakteur Video Games)

Ich selbst war, wie gesagt, mit Ausgabe 5/1998 über die Video Games gestolpert, nachdem ich bis dahin hauptsächlich das Offizielle PlayStation Magazin und die PlayStation Games konsumiert hatte (Wieso nicht die fun generation, du Banause? Anm. von Benedikt). Es war die Zeit des großen Hypes um Resident Evil 2 und den Auftritt von Guildo Horn beim Eurovision Song Contest in Birmingham. In den Kinos erfreute sich Titanic seit Januar allergrößter Beliebtheit, und mit der mächtigen Dreamcast stand die scheinbare Konsolen-Revolution, zumindest in Japan, quasi direkt vor der Haustür.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn ich jetzt erzähle, mit welchen Erinnerungen ich die anschließenden knapp drei Jahre VG-Zeit verbinde, weshalb ich mich jetzt nur auf die zwei absoluten Highlights beschränken will. So schrieb ich Video-Games-Redakteur Ralph Karels im Juni 1999 die allererste E-Mail meines Lebens (und bekam sogar eine Antwort) und investierte nach Lesen des entsprechenden Tests in der VG 7/2000 satte 220 Mark in den Nintendo-64-Shooter Perfect Dark. Egal, das Rare-Meisterwerk war jeden Pfennig wert.

Ach ja, und ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass die Video Games ihren festen Platz in jedem Urlaubsgepäck hatte, oder?

Damit ging alles los: Die Erstausgabe der "Video Games" vom März 1991.

Damit ging alles los: Die Erstausgabe der „Video Games“ vom März 1991.

Ein kurzes Statement zum Ableben der Video Games? Da kann ich natürlich nur ganz subjektiv meine Ansicht kundtun. Denn, dass mit der Video Games eine, wenn nicht die wichtigste Publikation des deutschen Nachkriegsjournalismus für immer verschwunden ist, steht außer Frage. Und welche vornehmlich marktwirtschaftlichen Gründe und Fehlentscheidungen wirklich dafür verantwortlich waren, ändern auch nichts an der Tatsache, dass wir uns damals alle ziemlich schnell nach neuen Jobs umschauen mussten. Und genau dafür bin ich im Nachhinein dankbar. Nicht, dass es kein tolles Team mit erstklassigen Mitarbeitern und wundervollen Menschen war – aber man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Und dieser Zeitpunkt war zur letzten Ausgabe hin fast schon vorbei. Offen gestanden bin ich froh, Abstand zum Thema Videospiele gewonnen zu haben und andere Betätigungsfelder gefunden zu haben, in denen ich mich weiterhin erfolgreich weigern kann erwachsen zu werden. Klar hatte ich immer wieder mal ne Konsole rumstehen, aber die meisten Games nicht mal ausgepackt. Und jetzt freue ich mich, endlich wieder wie ein kleines Kind mit meiner vor drei Monaten erworbenen PS4 (hab meiner Freundin und meinem Sohn auch eine gekauft – man braucht ja Mitspieler), Harran von Untoten zu befreien oder als Geralt den Geheimnissen der wilden Jagd auf den Grund zu gehen. Ohne Deadline, ohne Druck durch Hersteller, ohne alles in Frage stellen zu müssen und vor allem mit endlich wieder ungetrübtem Blick auf das schönste Hobby der Welt! Unglaublich was sich in 15 Jahren technisch so alles getan hat. Die Video Games mag tot sein, aber 15 später ist dadurch aus mir wieder ein Fanboy mit Spaß an Games geworden. Und das ist gut so. (Axel Boumalit, Redakteur Video Games)

„Ein kurzes Statement zum Ableben der Video Games? Da kann ich natürlich nur ganz subjektiv meine Ansicht kundtun. Denn, dass mit der Video Games eine, wenn nicht die wichtigste Publikation des deutschen Nachkriegsjournalismus für immer verschwunden ist, steht außer Frage. Und welche vornehmlich marktwirtschaftlichen Gründe und Fehlentscheidungen wirklich dafür verantwortlich waren, ändern auch nichts an der Tatsache, dass wir uns damals alle ziemlich schnell nach neuen Jobs umschauen mussten. Und genau dafür bin ich im Nachhinein dankbar. Nicht, dass es kein tolles Team mit erstklassigen Mitarbeitern und wundervollen Menschen war – aber man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Und dieser Zeitpunkt war zur letzten Ausgabe hin fast schon vorbei. Offen gestanden bin ich froh, Abstand zum Thema Videospiele gewonnen zu haben und andere Betätigungsfelder gefunden zu haben, in denen ich mich weiterhin erfolgreich weigern kann erwachsen zu werden. Klar hatte ich immer wieder mal ne Konsole rumstehen, aber die meisten Games nicht mal ausgepackt. Und jetzt freue ich mich, endlich wieder wie ein kleines Kind mit meiner vor drei Monaten erworbenen PS4 (hab meiner Freundin und meinem Sohn auch eine gekauft – man braucht ja Mitspieler), Harran von Untoten zu befreien oder als Geralt den Geheimnissen der wilden Jagd auf den Grund zu gehen. Ohne Deadline, ohne Druck durch Hersteller, ohne alles in Frage stellen zu müssen und vor allem mit endlich wieder ungetrübtem Blick auf das schönste Hobby der Welt! Unglaublich was sich in 15 Jahren technisch so alles getan hat. Die Video Games mag tot sein, aber 15 später ist dadurch aus mir wieder ein Fanboy mit Spaß an Games geworden. Und das ist gut so.“
(Axel Boumalit, Redakteur Video Games)

So sehr ich mir im Laufe der Jahre immer mal wieder ein Comeback der Video Games gewünscht habe, so sehr weiß ich auch, dass es nie wieder dasselbe wäre. Vorgeführt bekam ich dies letztlich auch im November 2012 mit dem kurzlebigen Wiederauferstehen der Power Play, die ja ursprünglich einmal das Schwestermagazin der Video Games war. Mal davon abgesehen, dass das Heft für mich irgendwie innerlich ein gewisses Herzblut vermissen ließ, konnte offenbar auch die breite Masse damit nicht erreicht werden, und nach vier Ausgaben war bereits wieder Schluss.

Wir waren jung. Wir brauchten kein Geld, bekamen es aber trotzdem. Und auch die Branche hatte Geld und zog ähnlich junge, hochbegeisterte und zugleich unerfahrene Enthusiasten wie uns an. Wir arbeiteten ungeheuer viel, schliefen oft im Verlag und liebten es. In der Zeit als Redakteur habe ich einige meiner heute engsten Freunde kennengelernt. (Alexander Olma, Redakteur Video Games)

„Wir waren jung. Wir brauchten kein Geld, bekamen es aber trotzdem. Und auch die Branche hatte Geld und zog ähnlich junge, hochbegeisterte und zugleich unerfahrene Enthusiasten wie uns an. Wir arbeiteten ungeheuer viel, schliefen oft im Verlag und liebten es. In der Zeit als Redakteur habe ich einige meiner heute engsten Freunde kennengelernt.“
(Alexander Olma, Redakteur Video Games)

"Ich verbinde eine super Zeit damit und es war mein erster Kontakt mit der Branche. Rückblickend hätte ich mir gewünscht, dass sich der damalige Verlag schon bei meiner Bewerbung mit dem Projekt einer eigenen Website konkreter befasst hätte, denn dann hätte man ein Vorreiter für den deutschen Raum sein können. Durch das Platzen der Dotcom-Blase zog sich Future anschließend zurück. Zudem verbinden die Leute heute nur noch bedingt Redakteure mit den Magazinen, aber wir pflegten diesen Personenkult noch anders. Ich könnte diesbezüglich noch viele tolle Geschichten erzählen. Es hat damals wehgetan, die vielen Sachen wegzuwerfen, aber immerhin habe ich mir ein riesiges Archiv aus Original-Layoutdaten aus dieser Zeit als Erinnerung angelegt." (Sönke Siemens, Redakteur Video Games)

„Ich verbinde eine super Zeit damit und es war mein erster Kontakt mit der Branche. Rückblickend hätte ich mir gewünscht, dass sich der damalige Verlag schon bei meiner Bewerbung mit dem Projekt einer eigenen Website konkreter befasst hätte, denn dann hätte man ein Vorreiter für den deutschen Raum sein können. Durch das Platzen der Dotcom-Blase zog sich Future anschließend zurück. Zudem verbinden die Leute heute nur noch bedingt Redakteure mit den Magazinen, aber wir pflegten diesen Personenkult noch anders. Ich könnte diesbezüglich noch viele tolle Geschichten erzählen. Es hat damals wehgetan, die vielen Sachen wegzuwerfen, aber immerhin habe ich mir ein riesiges Archiv aus Original-Layoutdaten aus dieser Zeit als Erinnerung angelegt.“
(Sönke Siemens, Redakteur Video Games)

Abschließend möchte ich mich hiermit noch ganz herzlich bei den Teilen der ehemaligen Video-Games-Redakteurtruppe bedanken, die für ein paar Worte zum 15. „Todestag“ zur Verfügung standen. Ihr habt mir damit (und natürlich auch durch euren jahrelangen unermüdlichen Einsatz für diese Zeitschrift) eine riesige Freude gemacht.

Die oben von Roland Austinat erwähnte VG-Sonderausgabe zum Abschied von den Lesern.

Die Video-Games-Sonderausgabe zum Abschied von den Lesern.

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1 Kommentar

  1. Ja, das waren noch Zeiten. Ich habe leider meine Ausgaben dem Altpapier übergeben. Der Leserbriefonkel, der eine Lehre als Fernsehtechniker gemacht hatte ist mir auch in Erinnerung geblieben. Die Video Games hat noch ein paar Monate länger als die Mutterzeitschrift Power Play gelebt. Von der Kopierausgabe habe ich auch noch zwei Exemplare.

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