Sommer 1998: Als Videospieler ist es nahezu unmöglich, nicht vom Resident-Evil-Virus infiziert zu werden. Resident Evil 2 ist gerade erschienen (und in Deutschland umgehend indiziert worden), und jedes Games-Magazin hat andere Stories zu Capcoms Horrorspiel-Franchise zu bieten. Ob nun ein Tee, der im Format der bekannten Heilkräuter unter die Leute gebracht wird (kein Witz, stand damals in einer Ausgabe der Video Games) oder der recht billig verarbeitete und wenig präzise Resident-Evil-Controller – alles ist vertreten. Mein persönliches Highlight aber ist der Resident-Evil-Film, um den sich erste Gerüchte ranken.

Von Sebastian Essner

Knapp vier Jahre später, es ist März oder April 2002. Ich sitze, heiß wie das berühmte Frittenfett, im örtlichen Kino. In der Zwischenzeit hatte es außer einer dezenten Namensänderung nichts wirklich Erwähnenswertes zu dem Filmprojekt gegeben; der ursprünglich vorgesehene Untertitel Ground Zero war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verständlicherweise gestrichen worden. Nun also der Film zu einem meiner Lieblingsspiele.

Inhaltlich sind die 100 Minuten, die Resident Evil dauert, schnell zusammengefasst: Unterhalb von Raccoon City gerät in der geheimen Forschungseinrichtung Hive das T-Virus außer Kontrolle, weil dort die Künstliche Intelligenz “Red Queen” aus unerfindlichen Gründen durchdreht. Ein Spezialteam, unter anderem mit Milla Jovovich als Alice (dass sie so heißt, erfährt man allerdings erst im Abspann) und Michelle Rodriguez in der Rolle von Rain, schafft es natürlich, am Ende für Ordnung zu sorgen. Besonders cool:  die sich in einen Zombie verwandelnde Heike Makatsch.  “Wunderbar, jetzt sehe ich das ehemalige Viva-Girlie endlich einmal ohne störende Schminke”, denke ich mir.

Da ist sie noch geschminkt. (Quelle: )

Da ist sie noch geschminkt. (Quelle: Constantin Film Produktion GmbH / New Legacy Film Ltd)

Aber auch der Serienfan in mir wird befriedigt, denn es gibt an jeder Ecke Anspielungen auf Teile der Videospielreihe oder Insidergags. So sieht etwa die Eingangshalle der Villa, die als Tarnung für den Hive fungiert, verdächtig wie der Speisesaal im ersten Kernteil aus. Die zum Hive fahrende Bahn haben die Macher dezent aus Resident Evil 2 übernommen, und die Identität des ersten Nemesis wird ebenfalls erklärt – etwas, das der dritte Serienteil im Jahr 1999 weitaus weniger elegant gelöst hatte. Ein netter Cliffhanger am Ende bereitet mich dann schon einmal seelisch und moralisch auf einen Nachfolger vor, der schließlich im Herbst 2004 als Resident Evil: Apocalypse in die Kinos kommen soll.

(Quelle: Constantin Film Produktion GmbH / New Legacy Film Ltd)

(Quelle: Constantin Film Produktion GmbH / New Legacy Film Ltd)

Im Laufe der Folgejahre war ich jedoch etwas überrascht zu hören, dass auch Nicht-Videospieler von dem Film angesprochen wurden – was man nicht zuletzt auch an dem sehr guten Einspielergebnis sehen kann. Mehr als einmal wurde mir gesagt, dass Resident Evil  ein sehr kurzweiliger Actionfilm sei. Okay, das Horror-Feeling der Spiele mag im Film zwar nicht wirklich existieren, aber dank der Action wurde offenbar der Nerv des Massenmarkts getroffen, und für den finanziellen Erfolg ist das letztlich wichtiger.

(Quelle: Constantin Film Produktion GmbH / New Legacy Film Ltd)

(Quelle: Constantin Film Produktion GmbH / New Legacy Film Ltd)

So gesehen ist es also logisch, dass Resident Evil in den Jahren darauf diverse Nachfolger und Sidestories spendiert bekam. Schade ist dabei nur, dass sich Film und Spiel immer weiter voneinander entfernen. In dem für 2017 geplanten sechsten und letzten Teil wird immer noch der Kampf gegen Umbrella das Hauptthema sein, während dieser in den Videospielen längst – sprich: seit 2004 – ein Relikt der Vergangenheit ist.

Wer jetzt Lust auf Resident Evil bekommen hat, sollte im Zweifelsfall zur qualitativ besseren DVD-Fassung greifen, die Blu-ray-Version wurde leider nur halbherzig angepasst. Außerdem kann Resident Evil momentan auch via Netflix angesehen werden.

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