Nachdem ich mir Anfang Dezember endlich eine Xbox One zugelegt hatte, war schnell klar, dass Rare Replay mein erster Titel für die Microsoft-Konsole sein würde. Über die Weihnachtsfeiertage zeigte sich dann schnell, warum die Compilation aus 30 Titeln des englischen Kultentwicklers den Nostalgiker in mir befriedigte, vergangene Klassiker in neuem Glanz erstrahlen ließ und einige meiner Bildungslücken schloss. Im Folgenden habe ich mal die Titel aus der Sammlung gepickt, mit denen ich besondere Erinnerungen verbinde oder die mich neugierig gemacht haben, und teile meine Gedanken dazu mit euch.

Von Sebastian Essner

R.C. Pro-Am

Anfang der Neunzigerjahre drückte ich noch die Bank der örtlichen Grundschule. Geld war Mangelware, weswegen das Super Nintendo lange ein Wunschtraum bleiben sollte. Folglich waren NES und Game Boy das absolute Maximum an spielerischem Hochgenuss und R.C. Pro-Am ein netter Zeitverbleib, wegen dem so manche Hausaufgabe hinten angestellt wurde (heute kann ich es ja zugeben). Dummerweise sah das Spiel Jahre später (im Gegensatz zu Perfect Dark) auf einem HD-Fernseher gar nicht mehr so toll aus, weswegen es jahrelang im Schrank vor sich hinstaubte. Beim Spielen des Titels in Rare Replay ist dieses Nostalgie-Feeling sofort wieder da, und ich merke gar nicht, dass ich ungefähr 20 Jahre älter vor einer hochauflösenden Flimmerkiste sitze. Sicher, ich habe vielleicht nicht mehr diesen dauerhaften Spielspaß der Kindheit, weil ich in der Zwischenzeit zig Rennspiele gesehen habe. Aber für eine kleine Runde zwischendurch macht R.C. Pro-Am durchaus noch Laune.

R.C. Pro-Am: Ja, so sahen Rennspiele in der Videospiel-Steinzeit mal aus

“R.C. Pro-Am”: Ja, so sahen Rennspiele in der Videospiel-Steinzeit mal aus.

Perfect Dark

Mitte 2000 hatte ich, hauptsächlich beflügelt von dem euphorischen Test in der Video Games 7/2000, satte 220 Mark für dieses Spiel ausgegeben (150 Flocken für das Modul und 70 weitere für das dafür benötigte Expansion Pak) – eine Investition, die ich meiner Mutter gegenüber als eine “Investition in meine Zukunft verkaufte” (aus heutiger Sicht eigentlich gar nicht so falsch, oder?). Dafür erhielt ich aber auch einen Ego-Shooter, der mich jahrelang faszinierte und das Nintendo 64 an seine Grenzen trieb. In der Xbox-One-Neuauflage ist diesbezüglich natürlich dezent der Lack ab – wohl deshalb, weil diese die Hardware ganz bestimmt nicht mehr an ihre Grenzen treibt, manche Textur lächerlich aussieht und den einzelnen Figuren nicht mal Lippenbewegungen verpasst wurden. Andererseits ist es ein hochpolierter und immer noch spielenswerter Trip in die Vergangenheit, der als Gesamterlebnis gesehen nur wenig von dem Charme alter Tage verloren hat.

"Perfect Dark"

“Perfect Dark”

Banjo-Tooie

Irgendwann Ende 2001 hatte mein kleiner Cousin Richie (er ist inzwischen 22 Jahre alt, wird aber natürlich immer mein kleiner Cousin bleiben) in seiner kindlichen Naivität dieses Modul angeschleppt, und unter einem Vorwand riss ich es mir gleich mal unter den Nagel. Die folgende Nacht wurde sehr kurz, denn ich kam einfach nicht mehr davon los – diese Musik,  diese putzigen Charaktere, so viel zu entdecken!  In hoher Auflösung hat Banjo-Tooie nichts von seiner damaligen Schönheit verloren, und das alte Fieber kehrte schnell zurück. Und in diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass meine Frau Rebekka beim Zuhören meinte, dass der Sound “unbezahlbar” sei. Aber es stimmt, Banjo-Tooie wirkt nicht zuletzt wegen seiner gewöhnungsbedürftigen, aber 2001 aufgrund der Modultechnik noch weit verbreiteten “Pseudo-Sprachausgabe” heutzutage wirklich wie ein Relikt aus der Vergangenheit – aber eben immer noch ein verdammt gut spielbares.

Banjo-Tooie: Die Musik aus dieser Welt kriegt Ihr so schnell nicht mehr aus dem Gehörgang, versprochen

“Banjo-Tooie”: Die Musik aus dieser Welt kriegt Ihr so schnell nicht mehr aus dem Gehörgang, versprochen.

Conker’s Bad Fur Day

Seit seiner Enthüllung auf der E3 2000 (vorher hatte es mich als knuffiges Twelve Tales: Conker 64 dagegen nicht so angesprochen) war ich verliebt in dieses Spiel, aber aus demselben Grund wie Banjo-Tooie (bescheidene Optik auf einem HD-Fernseher) lag es jahrelang im Schrank. Erst der Release von Rare Replay schaffte hier Abhilfe, und das Resultat war ähnlich wie beim eben erwähnten Hüpfer, sprich: es sieht in HD wunderbar aus, sofort packte mich wieder die Leidenschaft vergangener Tage. Auch wenn man fairerweise sagen muss, dass Conker’s Bad Fur Day, rein spielerisch gesehen, deutlich schlechter gealtert ist als Banjo-Tooie. Trotzdem ein lohnender Nostalgietrip.

Spielhistorische Lücken schließen: “Perfect Dark Zero” und “Kameo: Elements of Power”

Doch Rare Replay ist für mich mehr als die Auferstehung alter Klassiker in hochauflösendem Gewand. Da ich mich nämlich seinerzeit erfolgreich die Xbox 360 verweigert hatte (ich konnte es Microsoft nie verzeihen, dass sie die erste Xbox-Konsole gefühlt über Nacht fallen ließen), bot mir die Compilation die Möglichkeit, Spiele der Vorgängerkonsole nachzuholen. Am leckersten fand ich hierbei Perfect Dark Zero, eben weil ich den Vorgänger so mochte, sowie Kameo: Elements of Power, weil es eine Art Zelda-Gameplay bietet. Meine ersten Sitzungen mit beiden Titeln waren jedenfalls vielversprechend und machen Lust auf mehr. So macht das Schließen videospieltechnischer Lücken wirklich Spaß.

 

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