Wenn von den alten LucasArts-Adventures die Rede ist, dann fallen fast immer die Namen Ron Gilbert und Tim Schafer. Einer wird dabei häufig vergessen: Gary Winnick.

Von Stephan Petersen

Gary Winnick, Jahrgang 1961, begann seine Karriere als Comiczeichner- und autor in den Siebzigerjahren. 1984 wechselte er die Branche und trat Lucasfilm Games bei, der frisch gegründeten Spieleabteilung von George Lucas‘ Filmkonzern. Hier gehörte er zu den ersten Beschäftigten und war zunächst der einzige Grafiker. In dieser Funktion steuerte er Animationen und Grafiken zu Klassikern wie Rescue on Fractalus! und Ballblazer bei. Maßgeblich beteiligt war auch an dem 1986 veröffentlichten Online-Rollenspiel Habitat, das als Vorgänger moderner MMORPGs gilt, sowie dem im selben Jahr erschienenen Adventure Labyrinth: The Computer Game, der Spieleumsetzung des gleichnamigen Fantasyfilms. In beiden Titeln versprühten Grafik und Animationen bereits den Hauch eines späteren Kult-Games.

„Labyrinth: The Computer Game“

„Labyrinth: The Computer Game“

Das Kult-Adventure, das ein Genre revolutionierte

Als Ron Gilbert bei Lucasfilm Games anheuerte, verstanden er und Gary Winnick sich auf Anhieb. Beide teilten dieselbe Art von Humor und denselben Filmgeschmack. Daraus entstand die Idee, ein gemeinsames Spiel zu entwickeln. Der Handlungsrahmen war relativ schnell gefunden. Es sollte ein Spiel mit Horror- und Comedy-Elementen werden, als Schauplatz ein gruseliges Haus dienen. Erst ganz zum Schluss legten sie sich auf ein Genre fest. Als Ron Gilbert während eines Familienbuchs seinem Cousin bei King’s Quest: Quest for the Crown über die Schulter schaute, war er sicher, dass ein Adventure die beste Möglichkeit wäre, ihre Geschichte zu präsentieren. Heraus kam schließlich 1987 Maniac Mansion, das sämtliche Stärken späterer Lucasfilm-Games-Adventures aufwies: den unverwechselbaren Humor, die stimmige Optik inklusive der unverwechselbaren Animationen, die motivierenden Rätsel sowie die praktische Verben-Objekt-Steuerung.

"Maniac Mansion"

“Maniac Mansion”

Im ähnlich gestrickten Zak McKracken and the Alien Mindbenders ist Winnicks Arbeit ebenfalls zu sehen. Im Anschluss stieg er zum Leiter der Grafikabteilung bei Lucasfilm Games auf. In dieser Position verantwortete er den optischen Part in Klassikern wie Indiana and the Last Crusade und The Secret of Monkey Island. 1992 erschien sein erstes  Spiel, das er alleinverantwortlich entwickelte. Allerdings kam Defenders of Dynatron City, ein actionreiches Spiel rund um Superhelden für die 8-Bit-Konsole NES, nicht sonderlich gut bei Fans und Presse an. Im folgenden Jahr steuerte Gary Story und Dialoge zum Maniac-Mansion-Nachfolger Day of the Tentacle bei.

Auf den Spuren von “Maniac Mansion”

Danach verließ er LucasArts (wie das Unternehmen seit 1991 hieß) und wechselte zum US-Entwickler Spectrum HoloByte. Dort war er als leitender Grafiker am hoch gelobten Adventure Star Trek: The Next Generation – A Final Unity beteiligt.

Dann wurde es lange Zeit ruhig um Gary Winnick. 2013 trat er mit einer Kickstarter-Kampagne wieder in Erscheinung. Jedoch nicht für ein Computerspiel, sondern für seine Comic-Reihe Bad Dreams. Das Crowdfunding scheiterte zwar, seine Comics erschienen dennoch und verkauften sich in den USA sehr gut.

Ende 2014 startete Winnick erneut eine Kampagne bei Kickstarter. Dieses Mal jedoch nicht allein und mit einem gänzlich anderen Projekt. Zusammen mit Ron Gilbert will Gary ein neues Adventure entwickeln, ganz im Stil von Maniac Mansion. Das Vertrauen der Fans haben die beiden Veteranen bereits. Das Ziel der Crowdfunding-Kampagne wurde klar übertroffen. Im Juni 2016 soll Thimbleweed Park erscheinen. Wenn das fertige Spiel hält, was die Screenshots versprechen, dann scheinen Gary Winnick und Ron Gilbert einen echten geistigen Nachfolger der LucasArts-Klassiker in der Pipeline zu haben. Wer hat da Broken Age gerufen?

"Thimbleweed Park"

“Thimbleweed Park”

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