Aktuell werkelt Chris Roberts mit seinem Team an Star Citizen. Die Erwartungen sind immens. Zum einen aufgrund der hohen Entwicklungskosten, zum anderen weil Chris Roberts kein geringerer als der Schöpfer von Wing Commander ist. Vor 25 Jahren erschien seine Weltraumaction-Simulation, die als Meilenstein in der Videospiel-Geschichte gilt. Vier Fortsetzungen, zahlreiche Ableger und Fan-Mods sowie Romane und sogar ein Film folgten. Stephan Petersen blickt auf die legendäre Spieleserie zurück.

Von Stephan Petersen

Wing Commander (1990)

Seit er als Kind Star Wars im Kino gesehen hatte, war Gamedesigner Chris Roberts von Raumschlachten und epischen Geschichten fasziniert. Mit dem Vormarsch des IBM-PCs und inspiriert durch die technisch beeindruckende Flugsimulation Battlehawks 1942, sah er Ende 1988 die Zeit gekommen, diese Begeisterung auf den Bildschirm zu transportieren. Das Ergebnis: Wing Commander.

Wing Commander I

Im Krieg zwischen Menschen und katzenartigen Kilrathi schlüpfte der Spieler in die Rolle eines Weltraumjäger-Piloten und startete seine Karriere auf dem Träger Tiger’s Claw. Wing Commander war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: Filmartige Inszenierung, dynamischer Soundtrack, Einfluss auf die Handlung durch die eigene Spielweise statt stumpfer Highscore-Jagd, Top-Grafik sowie action- und abwechslungsreiche Weltraumgefechte.

Für zusätzlichen Spielspaß sorgten im darauffolgenden Jahr die Erweiterungen The Secret Missions und The Secret Missions 2: Crusade. 1994 erschien Super Wing Commander für die Exoten-Konsole 3DO, eine grafisch überarbeitete Version mit Sprachausgabe und zusätzlichen Missionen.

Wing Commander II – Vengeance of Kilrathi (1991)

Wing Commander II erschien bereits ein Jahr später. Dementsprechend ähnelte es spielerisch und technisch stark dem Vorgänger. Allerdings lag der Fokus nun noch stärker auf der Erzählung einer Space Opera. Daher verzichtete Entwickler Origin Systems dieses Mal auf eine verzweigte Missionsstruktur zugunsten einer linearen, komplexeren Handlung. Flügelpiloten konnten nun nicht mehr sterben, zudem gab es keine Beförderungen und Auszeichnungen mehr.

Bemerkenswert war das separat erhältliche Speech Accessory Pack. Dies ersetzte nach der Installation die Bildschirmtexte durch digitale Sprachausgabe. Wie schon beim Vorgänger erhielt auch Wing Commander II zwei Addons: Special Operations 1 und Special Operations 2.

Wing Commander II

Wing Commander III – Heart of the Tiger (1994)

Mit Wing Commander III bewies Chris Roberts erneut, dass er gerne die Grenzen des aktuell technisch Machbaren weitestgehend ausreizt. An Stelle von Bitmap-Grafik wie in den Vorgängern nutzte Origins Systems nun eine 3D-Grafikengine. Anstatt animierter Zwischensequenzen gab es in der Serie erstmals FMV-Szenen. Zahlreiche bekannte Schauspieler wirkten in dem Actionspiel mit, unter anderem Malcolm McDowell, John Rhys-Davies und Tom Wilson. Die Rolle des Protagonisten Christopher „Maverick“ Blair verkörperte Star-Wars-Star Mark Hamill. Trotz der für damalige Verhältnisse immensen Entwicklungskosten wurde Wing Commander III ein kommerzieller Erfolg und trug entscheidend zum Durchbruch der CD-ROM als Standardmedium bei.

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Nach heutigen Maßstäben wirken die Cutscenes antiquiert, für die damalige Zeit aber waren sie ein Novum. Ein Fan des Spiels hat sie auf YouTube zu einem Film zusammengeschnitten.

Wing Commander IV – The Price of Freedom (1996)

Mit dem Ende der Kilrathi-Trilogie sah Chris Roberts die Serie als abgeschlossen an. Dann wurde er jedoch vom Mutterkonzern Electronic Arts gebeten, einen Nachfolger zu produzieren – ausgestattet mit üppigen Budget. Da die Entwicklungszeit ziemlich knapp war, gab es gegenüber Wing Commander III kaum spielerische und technische Änderungen. Allerdings setzten die Macher in Wing Commander IV – The Price of Freedom anders als im Vorgänger nicht ausschließlich auf Blue-Screen-Technik, sondern drehten zusätzlich in einem Hollywoodstudio Szenen auf echten Filmsets. Mit an Bord waren wieder die bekannten Darsteller. Regie führte erneut Chris Roberts, der sich nach Wing Commander IV jedoch endgültig von der Serie verabschiedete.

Wing Commander IV

Wing Commander – Prophecy (1997)

Nach dem Abgang von Chris Roberts wollte sich Origin Systems stärker an den ersten beiden Wing-Commander-Teilen orientieren. Die Anzahl der Filmsequenzen wurde zurückgefahren, der Fokus wieder mehr auf die Weltraumkämpfe gelegt. Grafisch machte die Serie dank Hardware-beschleunigter Grafik noch einmal einen Schritt nach vorne. Weniger gut kam bei den Fans an, dass der Spieler erstmals nicht mehr in die Rolle von Christopher Blair schlüpfte, sondern ein neuer, junger Pilot als Protagonist eingeführt wurde. Auch das offene Ende stieß vielen Fans sauer auf.

Wing Commander V

Das ein Jahr später kostenlos über das Internet veröffentlichte Addon Wing Commander: Secret Ops bot zwar neue Missionen, brachte in Bezug auf die Handlung aber keine neuen Erkenntnisse. Der fünfte Serienteil war zugleich der letzte.

So treibt die Fans bis heute die Frage um: Was ist mit Blair geschehen?

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