Heute ist auf spielejournalist.de Game-of-Thrones-Tag. Nachdem Telltale die zweite Episode des Adventures angekündigt hat, folgt nun ein kleiner Text-Nachschlag zu meinem Experiment: Ich spielte mit meiner Frau, die sich sonst digitalen Spielen nie zuwendet, die erste Folge Iron from Ice. Ursprünglich wollte ich auch den Rest unseres Dialogs ungefiltert protokollieren, stattdessen beschränke ich mich aber lieber auf die wirklich interessanten Aussagen, die sie beim und vor allem nach dem Spielen getätigt hat.

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

Meine Frau stellte sich beim Spielen einigermaßen ungeschickt an, weshalb ich ständig rumbrüllte: “Nach links drücken!”, “Nach rechts drücken”, “Schneller!” Sie war nach eigenem Bekunden “total gestresst”, weil sie das Treffen spontaner Entscheidungen — ein fester Spieldesign-Bestandteil von Telltale-Titeln — hoffnungslos überforderte. Was aber auch absolut kein Wunder ist, wenn man sonst nie einen Controller in Händen hält, eben nicht auf Anhieb weiß, wo sich X- oder Kreis-Taste auf dem PlayStation-Pad befinden.

Womit sie als Nichtspielerin das größte Probleme hat, ist die grafische Darstellung von Game of Thrones: Sie findet die Spielfiguren sehen puppenhaft und künstlich aus; sie seien “nicht menschlich genug”, damit sie etwas für sie empfinden kann. “Im Buch kann ich mir die Charaktere wenigstens vorstellen und im Film sehe ich sie real, aber hier wirkt das einfach nur völlig unecht”, sagt sie. Das “abgehackte Gelatsche” habe sie ebenfalls massiv gestört. “Und dann kommt eben hinzu, dass ich mich gar nicht richtig in die Story reinfühlen kann, weil ich ständig irgendwelche Knöpfe drücken soll.”

Das sind nachvollziehbare Gründe, finde ich. Als langjähriger Spieler, der mit C16 und C64 sozialisiert wurde, kann ich sogar im Halbschlaf auf das reagieren, was Telltale da von mir will und mit den entsprechenden Controller-Eingaben reagieren. Zudem ist mein Gehirn wohl schon völlig darauf konditioniert, ein Spiel wie eben Game of Thrones visuell als ausreichend zu empfinden. Ich meine, hey, als ich damals im ersten Ultima durch die Dungeons streifte, war ich total von den Socken, bildete mir ein, es mit wahnsinnig gefährlichen Höhlensystem und fiesen Killerskeletten zu tun zu haben.

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“Ultima 1” von 1980: Fiese Strichmännchen-Skelette.

Zwar erkennt mein kritisches Spielejournalistenauge, dass Telltale bei Animationen und Mimik nicht unbedingt Weltklasseniveau abliefert, das hindert mich aber trotzdem nicht daran, lustvoll nach Westeros abtauchen zu können. Für meine Frau hingegen ist Immersion schlichtweg nicht möglich. Da kann sie den Spielesoundtrack noch so mögen, sie findet eben keinen Zugang zum Spiel. “Ich meine das dem Spiel gegenüber auch gar nicht böse”, betont sie grinsend.

Interessant: Meine Frau leidet offenbar unter einer Art Gaming Sickness, ihr wurde nach etwa 25 Minuten mit Game of Thrones übel. Mag sein, dass sie lediglich keine Lust mehr hatte und mich nicht kränken wollte. Allerdings räumt sie ein, dass sie mit Spielen, in denen die Charaktere nicht bewusst menschlich, sondern eher abstrakt dargestellt werden, womöglich besser klar kommt. “Ich fand die alten Tool-Videoclips immer ziemlich cool. Vielleicht müsste ich etwas mit Zeichentrickfiguren spielen. Oder etwas ohne Menschen.”

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“Game of Thrones”, das Videospiel.

Das nehme ich beim Wort. Wir möchten demnächst einen weiteren Versuch starten. Wahrscheinlich mit Valiant Hearts: The Great War, das ich selbst unbedingt noch nachholen möchte. Irgendwann kriege ich sie noch. Spielen liegt schließlich in der Natur des Menschen, hat schon Friedrich Schiller gesagt.

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