Meine Frau ist die wundervollste Person auf diesem Planeten. Was uns eint, ist in jedem Fall nicht meine Leidenschaft für digitale Spiele. Sie spielt nämlich nie und hat es auch früher noch nie getan. Dafür haben wir eine gemeinsame Passion: Wir lieben Fernsehserien, die wir vorzugsweise auf Blu-ray oder per Netflix respektive Amazon Video konsumieren.

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

Wir haben uns in den vergangenen Jahren beispielsweise durch 24 (sogar zwei Mal!), Lost, Boston Legal, Dexter, Breaking Bad, Mad Men, True Detective, The Walking Dead und Game of Thrones durchgeschaut. Letzteres ist auch der Grund, warum ich meine Frau endlich mal überreden konnte, sich mit mir gemeinsam ein Computerspiel anzuschauen. Ich schwöre schon lange auf die Werke von Telltale Games, verschlinge jede neue “Walking Dead”-Episode mit Begeisterung und freue mich schon darauf, endlich irgendwann “The Wolf Among Us” nachzuholen.

Da ich aber für plassma-Kunden ohnehin Rezensionen zu “Game of Thrones: Iron from Ice” abliefern musste (hier und hier zu lesen) und meine Frau die Serie ebenso liebt wie ich, nahm ich meine Chance wahr: Jetzt oder nie, sie muss etwas mit mir spielen. Wir einigten uns auf etwa eine halbe Stunde, also startete ich die PS4, legte einen neuen Spielstand an, und los ging es. 

Im Folgenden gibt es nun das — weitestgehend — ungefilterte und unzensierte Protokoll unseres gemeinsamen Spielerlebnisses, das wir auf knapp 30 Minuten begrenzt haben. Ich werde es in zwei Teilen veröffentlichen (die Fortsetzung gibt’s am kommenden Freitag, den 23. Januar).

Um es noch einmal zu betonen: Meine Frau spielt wirklich nie; sie hat also auch so gut wie keine Vergleichsmöglichkeiten.

Ich: (Spielvorspann ist zu sehen) Schau mal, da ist die Mauer.

Meine Frau: Ja, erkenne ich. Und wer ist da jetzt wer und worum geht’s?

Ich: Das Spiel beginnt während der “Red Wedding”, das war in der dritten Staffel, und erzählt eine Nebengeschichte. Es geht um das Haus Forrester, die erinnern ein bisschen an die Starks. Im Spielverlauf steuerst du dann drei verschiedene Charaktere. Du lernst jetzt den ersten kennen, Gared Tuttle. Viel weiter dürften wir in 30 Minuten auch nicht kommen, danach kommen dann noch zwei weitere Figuren ins Spiel: Lord Ethan Forrester und dessen Schwester Mia.

Meine Frau: Aha.

Ich: Komm’, du nimmst jetzt mal den Controller, wir starten einfach mal. Das ist ganz einfach, du musst nur ab und an eine Entscheidung treffen, indem du einen der vier Knöpfe hier drückst (ich zeige auf das PS4-Pad). Ansonsten machst du einfach das, was auf dem Bildschirm angezeigt wird. So beeinflusst du ein wenig den Fortgang der Geschichte beziehungsweise, wie sich manche der Charaktere dir gegenüber verhalten Hier steht’s ja: “The story adapts to the choices you make, the story is tailored by how you play.”

Meine Frau: Gähn.

Ich: (Englischer Introtext wird eingeblendet) Okay, es geht los. Hier steht noch ein bisschen was zur Geschichte. Der Norden wird angegriffen, wie in der Serie, wir steigen jetzt während der “Red Wedding” ein. (Spiel beginnt, die ersten Figuren laufen durchs Bild)

Meine Frau: Mich würde ja mal interessieren, ob du das jetzt durch meine Augen siehst. Die Figuren sehe halt echt aus wie Puppen, wie wenn du dich in so einen Waggon im Phantasialand setzt und durch so eine Landschaft fährst. Deswegen fällt mir das auch immer so schwer das ernst zu nehmen, da so ein Gefühl aufzubauen.

Ich: Wart’s doch erst mal ab. Das ist Garred Tuttle.

Meine Frau: Gibt’s das nicht auf Deutsch?

Ich: Bisher nicht, nein.

Meine Frau: (Spiel will eine Dialog-Entscheidung) Was soll ich jetzt machen?

Ich: Steht doch da.

Meine Frau: Da steht “Pick up”.

Ich: Du musst das aufnehmen.

Meine Frau: Was denn aufnehmen?

Ich: Das Schwert.

Meine Frau: Ja, wie denn?

Ich: Da steht doch: “Pick up”. Mit “X”.

Meine Frau: Hmmm, ach so. (hämmert auf “X”-Button)

Ich: Das war’s, gut gemacht!

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Meine Frau: Idiot.

Ich: (Spiel will Aktion, ich lese vor) Press and hold “X” and drag with “L”.

Meine Frau: Wie bitte?

Ich: “L” ist dieser Steuerknüppel hier, “X” kennst du ja von eben. Du sollst das Schwert nun sauber machen.

Meine Frau: (Dreht Analogstick im Kreis und hämmert auf “X”, Spielfigur macht Schwert sauber)

Ich: Siehst du, ganz einfach.

Meine Frau: (bekommt einen Kicheranfall)

Ich: (Spiel will eine Aktion) Jetzt musst du dich entscheiden!

Meine Frau: Ja, was denn?

Ich: Entscheide, was Garred sagen soll. Wähle eine der Antworten.

Meine Frau: Aber was denn?

Ich: (Langsam etwas angestrengt.) Na, was du willst!

Meine Frau: (Drückt irgendwas, Garred sagt was)

Ich: Das hast du jetzt so entschieden. (Spiel will erneut eine Dialogantwort) Und jetzt noch mal.

Meine Frau: Ähhh, ich kann mich nicht entscheiden (Spiel-Timer tickt runter, Garred schweigt).

Ich: Jetzt hat Garred gar nichts gesagt, das geht auch. Steht da jetzt auch, ich übersetze: “Schweigen ist eine gültige Option.” Wie im echten Leben, man muss in einem Gespräch ja nicht immer antworten, wenn man nicht will.

Meine Frau: Als ob du das je machen würdest.

Ich: Jaja.

(Es folgen einige weitere Dialoge, meine Frau hat den Dreh nun einigermaßen raus.)

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Ich: Erkennst du die Szene? Ist wie gesagt während der “Red Weeding”, die Soldaten sitzen draußen vor der Burg von Walder Frey.

Meine Frau: Öhm. Nö.

(Weitere Dialoge im Spiel, man sieht Lord Forrester)

Meine Frau: Die sehen aus wie Puppen! Guck mal wie der lacht! Der wackelt total.

Ich: (Muss laut lachen.)

Meine Frau: Außerdem geht mir das viel zu schnell, ich verstehe überhaupt nichts, weil ich sowas nie spiele.

Ich: Du kannst doch Englisch.

Meine Frau: Was hat der denn jetzt gesagt?

Ich: Lord Forrester will mehr zu trinken, schenk ihm ein, wenn du magst.

(Meine Frau bearbeitet hektisch das PS4-Pad.)

Ich: Aber der lässt sich jetzt eh nicht von dir bedienen, weil er ein cooler Lord ist.

Meine Frau: Und warum soll ich das dann erst machen, wenn es dann gar nicht geht? Ist doch total unlogisch.

Ich: Da wird eben eine Geschichte erzählt.

Meine Frau: Wer war noch mal Lord Forrester?

Ich: Den gibt es in der Fernsehserie nicht.

Meine Frau: Ah, cool.

Ich: Das Spiel erzählt eine Nebengeschichte.

Ich: Du wiederholst dich.

Meine Frau: Aber die Stimmen von den Figuren finde ich total gut, ich mag den Akzent.

Ich: Geht mir auch manchmal so, das ist aber Absicht. Die Entwickler wollen, dass du dich impulsiv entscheidest.

(Meine Frau wählt, dass Garred kämpfen will.)

Ich: Das habe ich auch gewählt.

Meine Frau: Boah, das stresst mich total. Das wäre kein Spiel für mich, wo ich ständig entscheiden muss, wie die Geschichte weitergeht. Und so ist das Spiel, die ganze Zeit?

Ich: Ja.

Meine Frau: Muss ich da auch mal kämpfen dann?

Ich: Ja, indirekt, indem du eben die angezeigten Tasten drückst, wirklich ganz einfach. Das ist kein Actionspiel oder so. Ist mehr so eine Art Film-Spiel. Du schaust die meiste Zeit zu, betätigst ab und an mal ein Knöpfchen. Es geht vor allem um die Charaktere und die Story. Ich mag diese Art von Spielen total gerne, ist ideal zum Entspannen.

Meine Frau: Und wie ist das jetzt von der Grafik her? Ist das schon wahnsinnig fortschrittlich?

Ich: Nene, ganz solide, aber da gibt’s schon viel beeindruckendere Spiele. Ist eben bewusst in so einem Aquarell-Stil gehalten. Die Gestik finde ich auch nicht toll, aber der Gesamtlook ist schon ganz schön.

Meine Frau: Ich kenne mich da eben überhaupt nicht aus. Für mich wirken die Figuren in Spielen immer so unecht. Dadurch kommen so wenige Emotionen rüber.

Ich: Schau mal, der Typ im Spiel will was von dir.

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Meine Frau: Was will der denn von mir?

Ich: Du bist ja ein Knappe von Lord Forrester. Der ist auch einer.

Meine Frau: Ändert sich durch meine Entscheidungen eigentlich die gesamte Geschichte?

Ich: Nein, die Entwickler gaukeln einem das letztendlich vor, die ganz wichtigen Schlüsselmomente im Spiel enden gleich, aber du beeinflusst schon, wer zum Beispiel stirbt und wer nicht oder so. Das ist ja jetzt auch nur die erste Episode, die geht etwa zwei Stunden. In ein paar Wochen wird dann die nächste veröffentlicht, am Ende sind es dann sechs Epiosden.

(Es ertönt die Streichermusik der “Red Wedding”)

Meine Frau: Die Musik ist wirklich schön.

Ich: Das ist “The Rains of Castamere”. Erinnerst du dich in der Serie? Da spielen die das, wenn das Gemetzel losgeht.

(Wichtige Szene im Spiel; man muss sich entscheiden, ob man dem anderen Knappen hilft oder Lord Forrester warnt)

Ich: Was machst du? Lord Forrester warnen oder den Typ da retten?

Meine Frau: Ich helfe ihm…

Ich: Ich hab ihn stehen gelassen. Ich wollte direkt Lord Forrester warnen.

(Gemetzel beginnt, Blut spritzt)

Meine Frau (grinst): Muss ich das Schwert gleich wieder sauber machen?

Ich: Achtung, du musst den Stick nach rechts drücken!

Meine Frau: Warum denn? Ich habe doch gar nix gemacht.

Ich: Weil das Spiel eben so funktioniert… Jetzt nach links!

Meine Frau: Okay, okay.

Ich: Jetzt musst du auf “X” mehrfach drücken, so schnell du kannst. Jetzt “R2”!

Meine Frau: Was ist “R2”? Das ist doch albern.

(Ich drücke schnell für sie)

Ich: Du hast überlebt!

Meine Frau: Das warst du.

Ich: Ich glaube, ich muss dir mal den Controller-Aufbau erklären (ich zeige ihr die Tasten): Das hinten sind “L1” und “L2” und rechts eben “R1” und “R2”.

(Spiel zeigt, wie Rodrik Forrester von einem Pferd totgetrampelt wird)

Meine Frau: Scheiße, der ist ja tot!

(Spiel fordert eine bestimmte Abfolge von Kommandoeingaben)

Ich: Nach oben! Zu spät…

(Garred stirbt)

Meine Frau: Und jetzt? Bin ich jetzt auch tot?

Ich: Ja, du warst zu langsam. Ist aber auch die schwerste Stelle im Spiel. Valar Morghulis!

Meine Frau: Was?

Ich: Weißt du nicht mehr in der Serie? Das heißt “Jeder Mann muss sterben”. Komm’, ich mach das schnell.

(Ich schnappe mir den Controller, starte die Stelle neu, meistere sie)

Meine Frau: Du Held!

Ich: Das war nicht wirklich so schwer.

Fortsetzung folgt am kommenden Freitag, den 23. Januar 2015. 

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