Essentials: C64

Der C64. Natürlich muss der hier rein. Denn er war essenziell, das steht fest. Hat meine Spieleleidenschaft entfacht, die Faszination für Technik im Allgemeinen. Zwar war ich unwissender Nachwuchs-Nerd zuerst auf den C16 hereingefallen (der meine digitale Evolution dennoch maßgeblich beeinflusst hat und dem ich deswegen in diesem Blog bereits gehuldigt habe). Doch als ich meine genervten Eltern endlich von der Dringlichkeit eines C64-Upgrades überzeugt hatte und die (Brot-)Kiste — via Sperrmüll-Gebrauchtkauf — mein Eigen nennen durfte, gab es bei mir und meinen präpubertären Freunden kein Halten mehr.

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

Wenn ich an den C64 denke, dann denke ich an 5 1/4-Zoll-Disketten, gelocht und beidseitig bespielt. Wenn sie ganz neu waren, verströmten sie diesen unvergleichlichen Duft. Wir tauschten auf dem Schulhof Spiele wie andere heutzutage Nonsens in Whatsapp oder auf Facebook; wir waren die Kings of Copy. Das war normal damals. Unschuldige Zeiten. Ich hortete meinen riesigen, prall gefüllten Diskettenkasten wie einen wertvollen Schatz.

Wenn ich an den C64 denke, dann denke ich an die Epyx-Meisterwerke Summer Games, Winter Games, World Games, California Games. An unzählige Matches in Microprose Soccer (beziehungsweise der Hallenvariante Indoor Soccer) und Emlyn Hughes International Soccer. An ausschweifende Pirates!-Sessions während eines brutal heißen Sommers 1988. Die anderen im Schwimmbad, wir in meinem Zimmer, wo wir schwitzend die Karibik eroberten. Pirates! ist für mich eng verknüpft mit einem guten alten Freund, an dessen Anwesenheit ich mich auch noch heute noch regelmäßig erfreue. Er die Papierkarte in der Hand, weil er die bessere Orientierung besaß und mich als strenger Navigator stets genau instruierte, wohin ich als nächstes mit dem Pixelschiff tuckern sollte. Ich mit dem Joystick in der Hand, weil ich die Fechtkämpfe besser drauf hatte.

Pirates!

Ab nach Habana, die schöne Gouverneurstochter wartet.

Und dann noch: Kaiser, Die Fugger, Pool of Radiance, Champions of Krynn, Decathlon, Maniac Mansion.

Maniac Mansion! Das wahrscheinlich beste C64-Spiel überhaupt. Was hat es uns damals umgeblasen. Was hatten wir Angst vor Edna, wenn sie uns dann doch wieder erwischt hatte. 

Elite, Zak McKracken, The Bard’s Tale, die Ultima-Spiele, Giana Sisters, Katakis, The Last Ninja, International Karate, Wasteland, Little Computer People, Loderunner, Spherical… Argh, mir fallen so viele Spiele ein, die mich so unglaublich fasziniert haben. Und so viele Joysticks, die kaputt gingen — vor allem diese billigen Quickshot-Teile. Bis ich mir dann endlich einen Competition Pro zusammengespart hatte. Der hielt ewig. 

Ich besaß insgesamt drei C64, darunter die schickere Variante C64C und einen aufgemotzten Luxus-Commodore mit Turbolader für das VC-1541-Floppydrive und — absolut unverzichtbar — Final Cartridge 3. 

Joystick_Competition_PRO

Competition Pro

Wenn ich an den C64 denke, dann erinnere ich mich auch an den Beginn der Pubertät — daran, wie Wein, Weib und Gesang interessanter wurden. Und ein neuer Commodore-Computer: der Amiga. Doch der soll Thema eines anderen Essentials-Eintrags werden.

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