Der Spielejournalist – Teil 10: Zahlungsmoral

Das neue Thema der Spielejournalist-Serie ist eines, das wohl jeder Selbstständige aus eigener Erfahrung nur allzu gut kennt: die Zahlungsmoral der Kunden. Eine leidige Angelegenheit, die mich seit Eröffnung meiner Agentur im Jahr 2001 begleitet, mit der ich mich wohl oder übel immer wieder auseinandersetzen muss.

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt tatsächlich Kunden, die Honorare schnell oder zumindest innerhalb eines vertretbaren Zeitrahmens — den ich persönlich für mich auf vier Wochen nach Rechnungsdatum definiert habe — überweisen. Wobei das mitunter ein lange Weg war und ich diverse Buchhaltungen in vielen, vielen Telefonaten “erzogen” habe, ihnen unmissverständlich klar machte, dass ich nicht von der Kunst alleine lebe und Telefon, Internet, Heizkosten, Nahrung, Haus und Familie — eben ein ganzes Leben — bezahlt wollen werden.

Meine bescheidene Meinung: Länger als vier Wochen nach Rechnungsstellung sollte kein Freischaffender auf sein Geld warten müssen. Wieso auch? Ein Angestellter bekommt auch alle vier Wochen sein Gehalt bezahlt. Wir Freelancer müssen sehr oft äußerst knappe Deadlines einhalten, unsere Arbeit punktgenau, sauber und komplett zu festen Terminen abliefern. Und schlagen uns dabei nicht selten die Nächte um die Ohren. Da ist eine einigermaßen zeitnahe Honorierung das Mindeste. Sollte man meinen.

Und: Die tatsächlich geleistete Arbeit — der gelieferte Artikel, das produzierte Video, die eingesprochene Moderation etc. — liegt meist ohnehin länger zurück, als es das Datum auf der Rechnung suggeriert. Auch wenn ich mir angewöhnt habe, Rechnungen direkt nach Auftrags-Abgabe zu schreiben und zu verschicken, verfasst man ja nicht für jeden kleinen Job eine Einzelrechnung, sondern sammelt, bis sich der Gesamtbetrag sehen lassen kann. Das ist natürlich auch psychologisch wichtig — sonst fällt dem gebeutelten (Spiele-)Journalisten vielleicht mal wieder auf, wie bescheiden doch manche (zum Glück nicht alle) Kundenhonorare anno 2013 sind.

Doch oftmals ist diese Vier-Wochen-Frist reines Wunschdenken; die Realität sieht nicht selten ganz anders aus. Den traurigen Rekord hält bis heute ein längst verstorbene Spiele-Webseite, bei der ich geschlagene 16 Monate auf mein Geld warten musste, zahlreiche Mahnung und Anwaltsschreiben inklusive. Das ist natürlich der Extremfall, aber sechs, acht oder zehn Wochen auf sein Honorar zu warten, das ist nicht selten.

Die Gründe dafür? Sind vielfältig und von Kunde zu Kunde verschieden. Das Hauptproblem ist, dass Redaktion und Buchhaltung normalerweise strikt getrennt sind. Der verantwortliche Redakteur, der dem Freelancer den Auftrag erteilt, hat mit den Finanzen nichts am Hut. Er will aber verständlicherweise, dass die bestellte Arbeit schnell und pünktlich geliefert wird. Deswegen kann man ihm nichts vorwerfen, wenn mal wieder viele Wochen ins Land ziehen, bis das Geld auf dem Konto eintrifft.

Gelegentlich trifft ihn aber doch zumindest eine Teilschuld. Der Klassiker: Auf Nachfrage beim Redaktionskontakt kommt entweder die Antwort “Ups, die Rechnung liegt ja hier auf meinem Schreibtisch” oder “Habe ich ganz vergessen zu erwähnen: Unsere Finanzbuchhaltung ist für vier Wochen im Urlaub.” Das ist dann einerseits menschlich, für den betroffenen Selbstständigen aber oftmals alles anderes als lustig.

Die reine Raffgier eines Verlags, der seine Bilanzen schönt, indem er eine unliebsame Rechnung in den nächsten Monat verschiebt, kann natürlich auch ein Grund dafür sein, wenn wir Freien mal wieder arbeiten und arbeiten, aber der schnöde Mammon ausbleibt. Bösartigkeit möchte ich niemandem unterstellen, doch manchmal könnte man sie glatt vermuten.

Sei’s drum: Meine wichtigsten Kunden zahlen mittlerweile allesamt so pünktlich, dass der Umsatz konstant bleibt und alle Plass-Fleßenkämper-Mäuler gestopft werden können. Da kann man einige Negativ-Ausreißer verkraften.

Doch wie ergeht es eigentlich den anderen, welche Erfahrungen haben sie in ihrer selbstständigen Tätigkeit mit der Zahlungsmoral gemacht? Genau das wollte ich wissen und stelle zum Abschluss des heutigen Themas einigen altbekannten Branchenkollegen folgende Frage:

Wie zufrieden bist du mit der Zahlungsmoral deiner Kunden — und wie lange musst du im Schnitt auf deine Honorare warten?

Anatol Locker, u.a. Ex-Chefredakteur Power Play, Video Games und Bravo Screenfun, heute Redaktionsbüro Anatol Locker:

Toi toi toi, bislang völlig unproblematisch. Ich habe in fünf Jahren nur eine Mahnung verschicken müssen. Allerdings arbeite ich nur mit größeren Verlagen zusammen, deren Zahlungsmoral ohnehin in Ordnung ist.”

Robert Bannert, u.a. Ex-PR Manager GT Interactive, Ex-Chefredakteur fun generation, heute Chefredakteur und Herausgeber Elektrospieler und Inhaber Agentur Ratz:

“Das variiert stark. Manche Kunden bezahlen SOFORT (das Geld ist maximal zwei Tage nach Erhalt der Rechnung da), andere reizen meist die vollen vier Wochen aus, bezahlen dann aber auch sicher. Negativ-Erfahrungen gibt’s natürlich auch einige. Da wurde bei einem Kunden regelmäßig überzogen, zum Beispiel, weil der Buchhalter während des Oktoberfests dauernd besoffen unter dem Tisch lag. 😉 Ging aber auch noch… gerade so. Wirklich fies war ein Kunde, der Moooonate gebraucht hat und sich dauernd Ausreden einfallen ließ, schlecht erreichbar war und mich dann oft unter Angabe der absurdesten Gründe runtergehandelt, sich nicht an Absprachen gehalten hat usw. Katastrophe! Darum habe ich auch schnell aufgehört, für die zu schreiben. Ein weiterer Kandidat dagegen war zwar in der redaktionellen Zusammenarbeit sehr zickig, zahlte aber auch immer ultra-fix. Hier habe ich die Zusammenarbeit zwar eingestellt, weil er gemessen an den verhältnismäßig niedrigen Honoraren zu anstrengend war – aber die Zahlungsmoral war immer top.”

Richard Löwenstein, u.a. Ex-Chefredakteur PC Joker, heute Redaktionsbüro Richard Löwenstein:

“Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen, weil ich zumindest noch keinen großen Zahlungsausfall hatte. Die Kunden zahlen alle, allerdings kein einziger pünktlich. Vier bis acht Wochen warte ich in aller Regel auf mein Geld.”

Mick Schnelle, u.a. Ex-Redakteur PC Joker, PC Player und GameStar, heute selbstständiger Autor und Übersetzer:

“Ich kann mich nicht beklagen. All meine lieben Auftraggeber zahlen binnen zwei bis vier Wochen. Das gute Resultat liegt aber zu einem guten Teil daran, dass ich schlechten Zahlern genau eine Chance gebe. Muss ich mehr als einmal nachhaken, war’s das dann. Dabei habe ich ein Elefantengedächtnis.”

Michael Moser, Redaktionsbüro Moser:

“Bisher musste ich bei einem meiner wichtigsten Kunden zirka ein bis zwei Wochen maximal warten. Einem anderen muss ich immer ewig hinterherlaufen. Alle anderen Kunden haben innerhalb maximal einer Woche ab Rechnungsdatum bezahlt.”

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2 Kommentare

  1. “Die reine Raffgier eines Verlags, der seine Bilanzen schönt, indem er eine unliebsame Rechnung in den nächsten Monat verschiebt, kann natürlich auch ein Grund dafür sein, wenn wir Freien mal wieder arbeiten und arbeiten, aber der schnöde Mammon ausbleibt. Bösartigkeit möchte ich niemandem unterstellen, doch manchmal könnte man sie glatt vermuten.”
    Was ist denn Raffgier anderes als Bösartigkeit?!

  2. Toller Artikel. Was hier fehlt, ist die erstklassige Zahlungsmoral der Agentur Plassma zu erwähnen. Denn die ist erste Sahne!!

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