Sie ist unzertrennlich mit dem Beruf des (Spiele)journalisten verknüpft. Sie ist Lebenselixier und Kreativitätsbooster. Absolut notwendig, aber auch verhasst. Und mitunter bis über die Belastungsgrenze hinaus anstrengend: die Deadline. 

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

Fast jeder Medienschaffende kennt sie, pflegt seinen ganz eigenen Umgang mit ihr. Ich lebe seit vielen Jahren in wilder Ehe mit der Deadline; wir hasslieben uns regelrecht. Ich erlebe sie nahezu täglich, kann mir den Job ohne sie gar nicht vorstellen. Drei, vier fixe Liefertermine an einem Tag, das kann schon mal vorkommen.

Zum Glück bin ich kein Freund der lässigen Prokrastination; ich brauche diesen “Auf den letzten Drücker”-Extra-Stresskick nicht, um kreativ und zielgerecht arbeiten zu können. Also nehme ich die Deadline ernst, schiebe nichts auf, arbeite so, dass immer noch ein gesunder Puffer zwischen ihr und mir bleibt. Denn sonst wird man schlichtweg wahnsinnig.

Das gelingt mir natürlich aber nicht immer. Online muss es oft sehr, sehr schnell gehen, etwa wenn große Events und Messen stattfinden oder das Embargo zu einem wichtigen Spiel fällt. Und monatlich erscheinende Publikationen unterliegen strengen Terminen und Produktionszyklen. Wenn dann vier Tage vor Redaktionsschluss unerwartet ein wichtiger Titel in die Redaktion flattert, dann ist eben der Freelancer gefragt, der oft nicht umsonst den Spitznamen “Feuerlöscher” trägt.

Den psychologischen Aspekt der Deadline haben ich selten so intensiv wahrgenommen wie bei meinem Test zum großartigen The Last of Us. Ich hatte nur drei Tage Zeit, um das Spiel durchzuspielen, einen sechsseitigen Bericht mit allerlei Extrakästen zu verfassen und jede Menge Screenshots anzufertigen. Das Gemeine war: The Last of Us zeigt einem genau an, wie weit man schon fortgeschritten ist — und das auch noch in Prozenten. Ich kämpfte also gegen Infizierte und die tickende Uhr, immer die ersehnten 100 Prozent vor Augen. Wenn es dann Samstag Nacht ist, man das Spiel erst zur Hälfte beendet hat, die Deadline am Montag Mittag unaufhaltsam und gnadenlos näher rückt, dann ist das schon eine Nummer.

Ohne die Gewissheit der Endlichkeit des Lebens — die einem tatsächlich hilft, viele Dinge gelassen anzugehen –, eine äußerst tolerante Ehefrau, die besten Kinder Welt, reichlich Kaffee, noch mehr Mineralwasser und genügend Vitaminzufuhr in Form von Obst geht da gar nichts. Gute Musik hilft auch ungemein. Zwischendrin mal kurz an die frische Luft, durchatmen. (Notiz an mich: Was bin ich froh, das verdammte Rauchen aufgegeben zu haben!) 

“Geiler Job, die ganze Zeit nur spielen” — sollte mir jemand in einer solchen Ausnahmesituation diesen Satz vor das gestresste Haupt knallen, er müsste um sein Leben fürchten. Immerhin hat mir The Last of Us trotz Deadline-Terror wahnsinnig gut gefallen, das muss ein Spiel erst mal schaffen.

Das Schöne an jeder Deadline ist aber, dass sie der Vergangenheit angehört, sobald man die Arbeit abgeliefert hat. Dann fällt jeglicher Druck von einem ab, dann nimmt man sich — wenn es die anderen lieben kleinen Deadlines denn zulassen — ein, zwei Tage frei, um andere Dinge des Lebens zu genießen. Und bitte ja kein Computerspiel anfassen, lieber meine Gitarre oder ein gutes Buch.

Da fällt mit gerade ein: da war doch noch eine Kunden-Deadline für heute im Auftragsplan. Und schon ist da wieder dieses fiese Nagen, dieses bohrende Gefühl, dass man die Mittagspause und das entspannte Bloggen besser sein lassen sollte.

Ich bin raus. Deadline, wir sehen uns!

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