Der Spielejournalist – Teil 6: Der Stress-Faktor

Nach längerer Blog-Pause geht’s weiter mit meiner Spielejournalist-Serie. Vor lauter — tataa — Stress kam ich mal wieder zu gar nichts und musste mich nach einer extrem anstrengenden Akkord-Arbeitsphase dringend regenerieren. Dies ist mir einigermaßen  gelungen, also komme ich gleich zum Wichtigsten:

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper

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Ja, ein bisschen Selbstbeweihräucherung muss jetzt sein. Trotz des ganzen Stresses der letzten Wochen und Monate bin ich eisenhart geblieben und entsage dem Heroin des kleinen Mannes (respektive des Journalisten): Nikotin.

Das Thema heute ist also klar definiert. Wenn man mit Stress nicht umgehen kann, sollte man definitiv nicht den Beruf Spielejournalist wählen. Denn dieser ist zwar — ich wiederhole mich — so spannend wie wohl kaum ein anderer Job, nagt aber eben auch oft an der Belastungsgrenze. In meinem Fall nicht nur der eigenen, sondern auch der meiner Familie.

– Och nee, Du musst heute Nacht schon wieder durcharbeiten?, sagt meine Frau in diesen Momenten, wo klar ist, dass es kein Entrinnen gibt. Das geplante Familienwochenende: fällt ins Wasser. Die Deadline will schließlich eingehalten, eine Eishockey-Mannschaft-große Familie ernährt werden. Und da Abgabetermine in meinem Metier in der Regel sehr knapp bemessen sind (man nennt uns auch gerne “Feuerlöscher”), muss man da eben durch. Dann taucht Papi schon mal einige Tage komplett im Büro ab, lässt sich nur zum Sandmännchen kurz blicken oder wandelt wie ein Gespenst durchs Haus, glasiger Blick, komplett auf die Arbeit fokussiert.

– Vielleicht wärst Du doch besser Lehrer geworden, sagt meine Mutter dann, wenn wir das nächste Mal zum Sonntagskaffee zusammensitzen und meine Frau erzählt, wie ich neulich drei Tage nonstop durchgeackert habe, damit es der Sechseiten-Test zu Top-Spiel X noch geradeso zum Druckschluss in die neue Ausgabe von Magazin Y geschafft hat.

Lehrer? Nein, danke. Erstens birgt dieser Beruf meiner Meinung mindestens genauso viel Stress wie der des Journalisten; eine neunte Klasse zu unterrichten halte ich für einen rein masochistischen Akt, und ich habe größten Respekt vor all den Lehrerinnen und Lehrern da draußen, die sich täglich dieser Aufgabe stellen. Und zweitens wage ich zu behaupten, dass ich nach 14 Jahren in meinem Beruf gelernt habe, wie ich mit Stress umgehe.

Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben. Es gibt drei, vier Mal im Jahr die wirklich stressigen Momente, wenn Samstag Nacht um halb drei auf einmal die Technik versagt, das Grabbing-System ausfällt, man aber noch sämtliche Screenshots für den Artikel anfertigen muss. Dann rückt die am Freitag Nachmittag vom Kunden gewünschte Deadline (“Montag, 10 Uhr am Vormittag, spätestens”) in schier unerreichbare Sphären, dann helfen weder Yoga noch Tai Ginseng. 

Stress-Killer: "Tetris" auf dem Game Boy.

Stress-Killer: “Tetris” auf dem Game Boy.

Doch nach all den Jahren als Selbstständiger sieht man das Ganze glücklicherweise immer gelassener, kennt sich selbst und weiß, wie man am besten Stress abbaut. Ein Lied auf der Gitarre spielen. Oder eine Runde Diamond Dash auf dem iPhone. Gerne auch Tetris, das uralte in der Game-Boy-Version, die ich auf einem GBA in Farbe zocke.

Ebenfalls immer gut: ein kleiner Spaziergang. Tief durchatmen. Immer schön viel Wasser trinken. Und weiter geht’s. Bis der Artikel, das Sonderheft, die Bilderstrecke, das Video, das Wasauchimmer, fertig ist. 

Für uns Freischaffende kommt neben dem normalen Stress, der überall in den verschiedensten Berufen innerhalb der Medienbranche präsent ist, auch noch der Psycho-Faktor dazu. Ein gesundes Mittelmaß zu finden, wie viel man denn nun arbeitet, ist äußerst knifflig. Hat man überhaupt keinen Stress, ist das in der Regel ein Indiz dafür, dass die Auftragslage mäßig bis scheiße ist. Nimmt man jeden Auftrag an, rennt man bald pausenlos im Hamsterrad. Work-Life-Balance ist das Zauberwort. 

Ich werde ab und zu gefragt, ob ich als vor allem über Spiele schreibender Journalist in meiner Freizeit selbst noch spiele. Ja, das tue ich. Es baut eben wunderbar Stress ab.

Was auch super gegen Stress hilft: Bloggen. 

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1 Kommentar

  1. “Work-Life-Balance” suggeriert, dass mannfrau etwas falsch machen muss, wenn er/sie nicht aus anhaltendem Stress herausfindet. Diese verengte Blickrichtung ist gewollt, denn jedeR soll ja glauben, er/sie ist seines und ihres Glückes Schmied ist. Das lenkt schön davon ab, die gesamtgesellschaftliche Situation in den Blick zu nehmen und weiter zu rennen im Hamsterrad der Lohnsklaverei

    Was also auch super gegen Stress hilft: Ein anderes Wirtschaften im Sinne des guten Lebens für alle. Das erfordert einen Gesinnungswandel, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht, der
    ohne eine ‘Wirtschaft der Fürsorge’ nicht existieren kann. Dazu lesenswerte Beiträge hier:
    http://www.bzw-weiterdenken.de/2013/06/wandel-zu-einer-gesinnung-der-fursorge/

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